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REZENSION: Honk, Union Theatre ✭✭✭✭
Veröffentlicht am
Von
markludmon
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Die Besetzung von Honk! Honk!
The Union Theatre
31. März 2017
Vier Sterne
Jetzt buchen George Stiles’ und Anthony Drewes Honk! setzte sich bekanntlich im Jahr 2000 gegen Der König der Löwen und Mamma Mia! durch und gewann den Olivier Award als bestes neues Musical. Während jene beiden Shows nun in ihr 18. Jahr im West End gehen, ist Honk! in einer neuen Produktion im Union Theatre zurückgekehrt – und erinnert daran, warum Kritiker:innen und Publikum es schon damals ins Herz geschlossen haben. Inspiriert von Hans Christian Andersens Klassiker über das hässliche Entlein, bevölkert Honk! die Bühne mit Küken, Enten, Gänsen und anderen Bauernhoftieren, während der gemobbte und verstoßene junge Ugly mit schmutzigen Federn und stumpfem Schnabel lernt, seine Andersartigkeit zu lieben – und nach dem Verirren in der Wildnis den Weg nach Hause zu finden. Als Stück für Kinder gedacht, gibt es reichlich (vielleicht sogar mehr) auch für Erwachsene zu genießen: von stöhnenswerten Geflügel-Wortspielen und witzigen Songs bis zu den universellen Botschaften von Akzeptanz und Toleranz – etwas, das Autor:innen und Regie in einem Brexit-geprägten Großbritannien für besonders aktuell halten. Uglys berührende Nummer Different sagt uns: „anders ist nicht beängstigend, anders ist keine Bedrohung … Warum ist es also so schwer, miteinander auszukommen?“ – ein Satz, der heute genauso nachhallt wie 1993, als die erste Fassung des Musicals am Watermill Theatre bei Newbury Premiere hatte.
Liam Vincent Kilbride als Ugly und Robert Pearce als Bullfrog in Honk!
In dieser neuen Version begleitet die siebenköpfige Besetzung die Zwei-Mann-Band, indem sie Instrumente spielt, die zu ihren Figuren passen – wenn auch nicht ganz in dem Ausmaß mancher Actor-Musician-Produktionen. Außerdem zeigen sie ihr Können mit Lily Howkins’ Choreografie und Phoebe Hills Puppen – besonders die Entenküken, die mit gelben Regenschirmen und Pfannenwendern genial zum Leben erweckt werden. Als Augenzwinkern in Richtung Kindershow gibt es kurze Spritzer aus Wasserpistolen und Seifenblasen-Pistolen, aber nichts, wofür man ein Ersatzoutfit bräuchte.
Die Besetzung von Honk!
In einem grob gestrickten grauen Ensemble aus Wollmütze, Pullover und Schal ist Liam Vincent-Kilbride als Ugly ausgesprochen charmant – großäugig und unschuldig hinter seiner markanten Brille. Aus Fife stammend, nutzt er seinen natürlichen schottischen Akzent, um sein Anderssein gegenüber den anderen Hofbewohnern mit ihren Yorkshire-Färbungen zu unterstreichen. Ellie Nunn liefert als Uglys Mama Ida eine herausragende Leistung: starke Stimme, feines komödiantisches Timing und zugleich die Fähigkeit, ihre große Nummer Every Tear a Mother Cries mit der Wucht eines Showstoppers zu füllen – ähnlich wie die leidgeprüfte Mrs Johnstone in Blood Brothers. Leon Scott ist angenehm schlitzohrig als Uglys Vater Drake – und ebenso als der steif-standhafte Hauptmann einer Wildgans-Truppe im Stil von Dad’s Army. Der (herrlich) inkompetente Bösewicht ist die Katze, von Sam Sugarman wunderbar mit katzenhafter Raffinesse gespielt. Der Rest der Besetzung glänzt in zahlreichen Rollen: Robert Pearce hat einen starken komischen Auftritt als irischer Frosch, und Emily Goad sowie Emma Jane Morton bilden ein überraschendes Duo aus stubenreinem Huhn und Katze, das mich an die 1970er-Lieblinge Hinge and Bracket erinnerte.
Liam Vincent Kilbride als Ugly in Honk! Mehr als 20 Jahre später verzaubern die Songs von Stiles & Drewe noch immer – mit eingängigen Melodien und pointierten Texten, die längst ihr Markenzeichen sind, etwa in Betty Blue Eyes und Soho Cinders, ebenso wie in neuer Arbeit für Mary Poppins und dem aktuellen Hit Half a Sixpence. Unter der musikalischen Leitung von Oli Rew ist die Musik üppig arrangiert, bleibt dabei aber klar genug, damit Wortspiele und witzige Reime voll zur Geltung kommen. Mit Planken, Heuballen und weiteren einfallsreichen Requisiten hat Designerin Emily Bestow die Bauernhofwelt klug erdacht. Unter der Regie von Andy Room fügt sich alles makellos zusammen – zu einer ei-nmaligen Show, die für jedes Alter ein Vergnügen ist.
Zu sehen bis 22. April 2017. Fotos: Nick Rutter
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Wissenswert: Ellie Nunn hat ihr Talent auf der Bühne längst bewiesen, unter anderem in Rollen in West-End-Produktionen. Doch ihre Besetzung als Ida in Honk! hat eine zusätzliche Bedeutung: Sie ist die Tochter von Trevor Nunn, der Honk! 1999 während seiner Zeit als künstlerischer Leiter ans National Theatre brachte.
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