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REZENSION: Judith, Mercury Theatre Colchester ✭✭

Veröffentlicht am

Von

pauldavies

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Judith: Abschied vom Körper.

Mercury Theatre Studio

29. September 2017

2 Sterne

Sie ist die legendäre jüdische Judith, die in der Nacht vor der Schlacht ins feindliche Lager eindringt, um den assyrischen Feldherrn Holofernes zu töten. Ein Moment, der unzählige Male künstlerisch festgehalten wurde – nicht zuletzt in einem atemberaubenden Gemälde von Caravaggio. So sehr Howard Barkers Text stellenweise auch vor poetischer Härte und Schönheit strotzt: Caravaggio erzeugt in diesem einen Bild mehr Spannung und Dramatik, als Barker in diesem kurzen Stück.

Diese Koproduktion von REND Productions und Lighthouse, Poole, beendete ihre nationale Tournee im Mercury. Das Bühnenbild ist schlicht und ausgesprochen wirkungsvoll und deutet das Innere des Zelts des Generals an; drei Totenmasken dominieren die Mitte, darüber hängt ein Schwert. Am Engagement von Ensemble und Regie für den Text gibt es keinen Zweifel. Liam Smith bringt die Sprache gut auf den Punkt – doch weil Holofernes nicht der Tyrann ist, den man erwartet, nicht lässig über das Morden an Tausenden hinweggeht, bleibt die Darstellung emotional gedämpft. Eine Ausnahme bildet der Moment, in dem er weint und sein Bedürfnis, geliebt zu werden, offenbart. Als Judith wird Catherine Cusak durch ein Kleid eingeschränkt, das für sie viel zu lang ist; sie tritt darauf, es behindert sie – vielleicht als Symbol ihrer Beziehung zum Patriarchat, aber auch etwas ablenkend. Nach der Tötung Holofernes’ trifft sie Judiths Blutdurst hingegen sehr gut. Am überzeugendsten ist Kristin Hutchinsons freche Dienerin, die ihren Platz oft vergisst und für dringend benötigte Lacher sowie eine Verbindung zum Publikum sorgt. Durchgehend wirkt das wechselhafte Machtspiel eher kopflastig als emotional.

Das Problem ist, dass Barkers Text zu schmal ist und unausgereift wirkt; die Debatten über Tod und Liebe sind zwar interessant, packen aber nicht. Den Darstellenden wird wenig Material gegeben, um sich zu entwickeln und damit zu arbeiten, und nach fünfzig Minuten war das Publikum unsicher, ob das wirklich das Ende war – tatsächlich fühlte es sich an, als hätte es kaum eine Entwicklung gegeben. Relevanz gewinnt das Stück in dem Moment, in dem wir sehen, wie Macht und Mord mühelos auf Judith übergehen, die nun zur Unterdrückerin wird – doch das Stück endet, bevor dieser Gedanke überhaupt richtig abheben kann. Ursprünglich als Teil eines Doppelabends präsentiert: Vielleicht hätten sich die Themen im Zusammenspiel mit dem Begleitstück stärker herausgearbeitet.

 

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