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REZENSION: Kathy Kirby Icon, White Bear Theatre ✭✭

Veröffentlicht am

Von

danielcolemancooke

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Harry McLeod, Jeremy Gagan, Michael Scott Wiseman. Foto: Oliver Kratz Kathy Kirby: Ikone

The White Bear

24. Oktober

2 Sterne

Man sagt, zwei Köpfe seien besser als einer – und so machte ich mich auf den Weg ins White Bear in Kennington, um herauszufinden, ob deren Doppelabend mit Musical Theatre dieses Sprichwort bestätigen würde.

Das verbindende Thema der beiden Stücke war die britische Sängerin und einstige Eurovision-Teilnehmerin Kathy Kirby. Die Produktionen stammten von zwei unterschiedlichen Autor*innen und spielten in verschiedenen Settings, teilten sich jedoch Ensemble und Figurenkonstellation sowie dieselbe Begleitband.

I Play for Me erzählt die Geschichte von Elliot Figueroa, einem (fiktiven) Rock-Sänger, der Anfang der 60er als Support für die junge Kathy Kirby auftritt. Schließlich zerstreitet er sich mit seinem Manager, dem berüchtigten Bert Ambrose, bevor er auf einer Kanalfähre die Flucht ergreift. Dort begegnet er Billy-Boy, einem Jungen mit besonderen Bedürfnissen, der seinen eigenen familiären Problemen entkommen will. Zwischen den beiden entsteht eine Freundschaft, die als praktisches erzählerisches Mittel dient, um in einer Reihe von Rückblenden auf Elliots turbulente Karriere zurückzublicken.

Das war eindeutig mein Favorit der beiden Stücke – vor allem dank der starken Hauptdarstellungen von Eddie Mann als Elliot und Harry McLeod als Billy-Boy. Die Szenen zwischen den beiden waren am reizvollsten; Mann wirkte glaubhaft als aufmüpfiger Rock-Star, komplett mit wallender Mähne und beeindruckendem Gitarrenspiel. McLeod lieferte ebenfalls eine berührende Leistung in einer sehr schwierigen und komplexen Rolle; er ist ganz klar ein beachtliches Talent und strahlte in beiden Teilen des Doppelabends.

Der Rest des Stücks wurde jedoch durch teils klischeehafte Dialoge und eine wenig bemerkenswerte Handlung ausgebremst – besonders die Szenen zwischen Elliot und Ambrose, die selten über Standardkost aus dem Musik-Biopic hinausgingen. Die Probleme mit der Figur Ambrose setzten sich in der zweiten Produktion fort, dort wirkte er allerdings noch schwächer gezeichnet: wie direkt aus der Schablone des „bösen Managers“.

Kathy Kirby: Ikone hat enormes Potenzial, scheitert aber in der Umsetzung. Im Zentrum steht eine unglückliche, verletzliche Kirby in ihrer Wohnung, die auf ihre Karriere zurückblickt. Es gibt diverse Rückblenden auf Höhepunkte – etwa ihren Auftritt beim Eurovision Song Contest oder vor Millionenpublikum in TV-Talentshows. Positiv ist auch, dass die Produktion die dunkleren Kapitel nicht ausspart, zum Beispiel als Kirby in Bingo-Hallen auftreten musste, um ihre Karriere am Leben zu halten.

Maggie Lynne als junge Kathy. Foto: Oliver Kratz

Die Grundidee ist gut, wird jedoch von einer Art abgenutzter Dialogführung belastet, die letztlich schon Dusty – einer Show mit ähnlicher Prämisse – das Genick brach. Der gefürchtete Satz „Ich habe dich zu dem gemacht, was du bist“ taucht auf, ebenso das ähnlich platte „Wer ist die wahre Kathy Kirby?“ Viele der interessanteren Aspekte aus Kirbys Leben werden dem Publikum vorgetragen, als stammten sie direkt aus einem Wikipedia-Eintrag; hier braucht es mehr Redaktion, damit die Dialoge natürlicher wirken.

Bei weitem der unangenehmste Aspekt der Inszenierung ist der Umgang mit Bert Ambrose, Kirbys Manager und romantischem Partner (der ihr angeblich einen Großteil ihres Geldes abnahm). Wie bereits erwähnt, ist er keine gut geschriebene Figur (und wurde auch durch eine recht blasse Darstellung von Jeremy Gagan nicht gerettet) – doch seine Funktion in dieser Show war regelrecht bizarr.

Offenbar gibt es ein Problem dabei, wie man ihn darstellen soll: Er war für einen großen Teil von Kathys späterem Leben bereits tot, wird aber für die früheren Rückblenden benötigt. Die Lösung hier bestand darin, ihn nach seinem Tod jedes Mal, wenn er beiläufig erwähnt wurde, in einem Sarg auf die Bühne rollen zu lassen – nur damit er dann wieder „zum Leben“ erwachte, um Dialoge zu spielen oder eine Musiknummer zu bestreiten.

Tina Jones als Kathy. Foto: Oliver Kratz

Vermutlich sollte das respektlos-ironisch wirken, stattdessen war es eher unerquicklich und irritierend; mindestens zwei beschwingte Musiknummern fanden mit einer Leiche direkt vor mir statt (mit tanzenden Totengräbern obendrein!). Diese thematische Unschärfe zog sich durch den ganzen Abend: Gerade hatte sich durch die ehrliche Zeichnung der älteren, ausgebrannten Kathy eine emotionale Wirkung aufgebaut, wurde sie durch etwas Absonderliches wieder zerstört – etwa wenn Kirby mit dem Geist von Ambrose tanzte, der eben erst aus einem Sarg gesprungen war.

Es gab ein paar Lichtblicke: Maggie Lynne als jüngere Kathy trug die musikalischen Zwischenspiele und verfügt über eine beeindruckende Stimme, der man sehr gern zuhört. Tina Jones und Lloyd Morris hatten zudem eine lebhafte Chemie als die ältere Kathy und ihr neuer Manager nach Ambrose. Doch trotz dieser engagierten Leistungen reichte es nicht, um den Abend deutlich über Mittelmaß zu heben.

Biopics sind nicht leicht zu treffen – aber trotz zweier respektabler Versuche im White Bear hat keines wirklich ins Schwarze getroffen. Für Kirbys Fans dürfte es dennoch interessant sein; für alle anderen könnte es ein eher wenig inspirierender Abend werden.

Kathy Kirby: Ikone läuft im White Bear Theatre bis zum 8. November 2015

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