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REZENSION: Love Virtually, Frinton Sommer-Theater ✭✭✭
Veröffentlicht am
Von
douglasmayo
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Paul T Davies bespricht Eileen Hornes Bühnenfassung von Daniel Glattauers Love Virtually im Frinton Summer Theatre.
Love Virtually.
Frinton Summer Theatre.
7. August 2018
3 Sterne
Es ist beeindruckend, dass das Frinton Summer Theatre ein neues Stück in sein Programm aufgenommen hat – das sorgt für eine angenehm abwechslungsreiche Spielplanmischung. Dramatisierungen von Daniel Glattauers Büchern waren in ganz Europa zu sehen, und die Romane selbst sind enorm beliebt. Diese Adaption von Eileen Horne ist die britische Erstaufführung: eine Liebesgeschichte, die über E-Mails erzählt wird. Ausgangspunkt ist eine zufällige Online-Begegnung, als Emmi ein Online-Abo der Zeitschrift Like kündigen möchte und ihre Mails bei Leo Licke landen. Nach und nach entwickeln beide Gefühle füreinander – und weil es sich um eine Romcom handelt, stehen natürlich Hindernisse im Weg: vor allem seine Ex und dann neue Freundin, und sie ist verheiratet, wenn auch nicht glücklich.
Regisseur Clive Brill hat auch die Radiofassung des Stücks inszeniert – und ich habe das Gefühl, dass Radio wahrscheinlich das beste Format für diese Geschichte ist. Für die Darsteller ist es eine echte Herausforderung: Sie müssen in ihren eigenen Sphären bleiben und sich ausschließlich über das Vorlesen ihrer E-Mails verständigen. Erst ganz am Ende schauen sie einander wirklich an; das verleiht dem Ganzen eine ziemlich „in sich geschlossene“ Atmosphäre – auf der Bühne passiert dramaturgisch nicht allzu viel. Frustrierend ist zudem, dass ein paar Treffen offstage stattfinden; wir sehen die Dramatik nicht vor unseren Augen, sondern Ereignisse werden „am Morgen danach“ nacherzählt. Nicht, dass die Schauspieler etwas falsch machten: Annabel Wright und Oliver Le Sueur vermitteln die Geschichte sehr überzeugend, und Clive Brill selbst erscheint per Video als Emmis Ehemann Bernard und bittet Leo, Emmi nur ein einziges Mal zu treffen – um der Fantasie, die sie sich von ihm aufgebaut hat, ein Ende zu setzen. Vielleicht liegt es an der Übersetzung, aber dem Stück fehlt Leidenschaft: Ich hätte mir gewünscht, dass die Figuren deutlich emotionaler miteinander werden und ihre Gefühle stärker zulassen – schwierig, wenn der erzählerische Motor verlangt, dass alles per E-Mail gesagt wird. Auch nutzen sie weder SMS noch Facebook, Messenger oder Skype, behaupten, sie hätten keinerlei Wunsch, vor dem Treffen zu sehen, wie der andere aussieht – das wirkt ein wenig aus der Zeit gefallen.
Dennoch gibt es neben dem Spiel viel an dieser Produktion zu genießen. Besonders gefallen haben mir die Projektionen und Einblendungen auf der Leinwand – ein hervorragendes Design von Beth Colley – und die Musik ist wunderschön und mit großer Sensibilität für den Stoff ausgewählt. Da es sich um eine romantische Geschichte handelt, kann das Stück eigentlich nur auf eine Art enden – und genau das liefert es auch, begleitet von hörbarem, genüsslichem Seufzen vieler Zuschauerinnen um mich herum! Vielleicht geht es letztlich um die Gefahr, online eine Version eines Menschen zu erschaffen und sie als Flucht aus den Schwierigkeiten des eigenen Lebens zu betrachten – und damit ist es ein sehr zeitgemäßer Stoff.
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