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KRITIK: Von Mäusen und Menschen, Longacre Theatre ✭✭✭✭

Veröffentlicht am

12. April 2014

Von

stephencollins

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Chris O'Dowd und James Franco in Von Mäusen und Menschen. Foto: Richard Phibbs Von Mäusen und Menschen

Longacre Theatre

11. April 2014

4 Sterne

John Steinbeck gewann so gut wie jeden Literaturpreis, den es gibt. Seine Romane und Novellen sind Paradebeispiele dieser Form – und Von Mäusen und Menschen ist eine seiner grössten Leistungen. Seine eigene Bühnenfassung dieses literarischen Meisterwerks wird derzeit am Broadway im Longacre Theatre wiederaufgenommen und befindet sich aktuell in den Voraufführungen.

Die PR und Werbung für die Produktion konzentrieren sich vor allem auf die Besetzung – doch der eigentliche Star ist hier Steinbeck selbst. Denn das ist eine grandiose Adaption des Romans: ein einzigartiges Stück Theatererzählen, das abwechselnd lyrisch und poetisch, dann wieder realistisch und rau ist. Es gibt Symbolik, Vorausdeutungen, ein Hinterfragen von Gut und Böse, fein gezeichnete Figuren, sanften Humor und tiefgreifende Tragik – alles in einem Kreislauf aus Unausweichlichkeit und Hoffnungslosigkeit. Und das Ganze pulsiert vor echter Menschlichkeit: mit grossem Herzen und starkem Geist.

Viele Dramatikerinnen und Dramatiker schreiben ein Leben lang Stücke und kommen nie auch nur in die Nähe der perfekten Form, die Steinbeck hier erreicht. Das ist ein wunderbares Stück.

Erfreulicherweise ist dies eine Inszenierung, die dem Versprechen des Textes gerecht wird. Anna D Shapiro führt mit grosser Geschicklichkeit und beeindruckender Klarheit Regie. Von der Eröffnungsszene bis zum tragischen Höhepunkt treibt alles unaufhaltsam voran; die Spannung wächst durch die Vertrautheit mit den Figuren und die innewohnende Explosivität der Situation.

Todd Rosenthal liefert ein Bühnenbild, das Atmosphäre, Hitze, Enge und Verzweiflung jener Zeit – und das besondere Leben, das die Arbeiter auf der Farm mühsam fristen – wunderbar einfängt. Man meint, die Hitze an den Blechwänden zu spüren, das Heu und die Tiere zu riechen und die Geräusche der umliegenden Landschaft zu hören. Japhy Weidemans sensibles Licht und David Singers Originalmusik unterstützen und betonen die Bildwelten, die Shapiro sorgfältig entwirft.

Im Mittelpunkt stehen George und Lennie, zwei Wanderarbeiter, die für Gelegenheitsarbeit auf die Farm des Bosses kommen. Lennie ist geistig beeinträchtigt – ein meist sanfter Riese, der jedoch kein Gefühl für seine eigene Stärke hat und seine Handlungen nicht kontrollieren kann, besonders unter Druck. Er tötet Tiere – Mäuse und Welpen –, indem er sie zu fest streichelt. George ist sein Beschützer und Freund, stets bemüht, Lennie glücklich zu halten, ihn aber zugleich unter Kontrolle zu behalten. Von ihrer letzten Arbeitsstelle mussten die beiden fliehen, nachdem Lennie bei einer jungen Frau etwas missverstanden und sie versehentlich verletzt hatte.

Auf der Farm treffen sie auf eine Reihe schräger Gestalten – und auf eine potenziell explosive Lage. Der Sohn des Bosses hat erst kürzlich geheiratet, misstraut aber seiner Braut und hält sie für eine Schlampe. Sie wiederum fühlt sich vernachlässigt und sehnt sich nach Gesellschaft, weshalb sie ständig die Farmarbeiter aufsucht. Unvermeidlich gerät sie mit George und Lennie aneinander – mit verheerenden Folgen für alle drei.

James Franco ist ein idealer George: wortkarg, angespannt, entschlossen und aufmerksam. Für die Rolle hat er zugelegt und ist in jeder Hinsicht der wettergegerbte, imponierende Farmarbeiter. Seine wachsame Sorge um Lennie wirkt aufrichtig, zugleich baut er eine unkomplizierte Vertrautheit zu Slim und Candy auf – den zwei vernünftigsten Männern auf der Farm. Als gefährlicher Gegner wie als treuer Freund ist er vollkommen glaubwürdig.

Als sein beeinträchtigter und zugleich herausfordernder Kumpel ist Chris O'Dowd eine reine Freude. Mit grosser Sorgfalt erschafft er das durch und durch stimmige, vollkommen glaubhafte Porträt eines verlorenen Kindes – stark genug, jeden Menschen, dem er begegnet, mit einem plötzlichen, impulsiven Schlag zu töten. Seine Haltung, die Art, wie er die Hände hält, die Zuckungen, der Wechsel zwischen hoher und tiefer Stimmlage, der verwirrte Blick – jedes Element ist präzise gesetzt, um das wahre Bild dieses faszinierenden, eigenwilligen Kolosses zu zeichnen: des einfachen Lennie.

Die Chemie zwischen Franco und O'Dowd ist bemerkenswert. Man glaubt ihnen sofort, dass sie ihr Leben seit Jahrzehnten teilen. Ihre Rhythmen, ihre Pausen, ihre Unterbrechungen, ihre Müdigkeit, ihre überwältigende Sehnsucht nach Stabilität und nach Freiheit von der Lohnarbeit, ihr leichter Humor miteinander, ihre hektischen Versuche, gemeinsam die aufgewühlten Gewässer zu glätten, in denen Lennie ständig schwimmt – das ist eine köstliche, reichhaltige Bühnenpartnerschaft.

All das sorgt dafür, dass das tragische Ende des Stücks so grausig und überwältigend ist, wie Steinbeck es beabsichtigt – und gleichzeitig der ultimative Ausdruck von Liebe und Annahme. In jeder Hinsicht kraftvolles Theater.

Jim Norton ist grossartig als Candy, der einarmige alte Hase, der fürchtet, bald von der Farm „rausgeworfen“ zu werden. Er schmerzt vor Verletzlichkeit und angesammelter Härte. Der Moment, in dem sein langjähriger Hund weggebracht und erschossen wird, ist fast unerträglich anzusehen – so wahrhaftig und schön spielt Norton diese Szene. Und die Freude, die er ausstrahlt, als George und Lennie beschliessen, ihn in ihre Pläne für ihren „eigenen Ort“ einzubeziehen, ist scharf und greifbar. Norton macht die Tragödie nur umso berührender.

Auch die übrige Unterstützung ist erstklassig: Alex Morf ist hervorragend als der widerliche Wicht Curley, dessen dumme Behandlung seiner Frau und aller anderen auf der Farm das Pulverfass entzündet; Jim Ortlieb gibt den Boss angemessen unheimlich und kleinlich; Jim Parrack ist ausgezeichnet als Slim, der schnörkellose Realist, der die Dinge beim Namen nennt, dabei aber fair bleibt und weder nachtragend noch gehässig ist; und Ron Cephas Jones verkörpert den Schwarzen der Farm, Criggs, mit Angst, Schmerz und Stolz zu gleichen Teilen.

Der einzige Schwachpunkt ist Leighton Meester als Curleys windige Ehefrau. Ihr Spiel ist zu leicht – sowohl gemessen an den Anforderungen der Figur als auch an der Stärke des restlichen Ensembles. Sie müsste ein feuriges, zügelloses Gegenüber sein, doch in dieser Truppe wirkt sie deutlich wie das fünfte Rad am Wagen.

Dennoch sprengt dieses schwächere Glied nicht die Kette der Komplexität, die diese Figuren umgibt, verschlingt und letztlich bestimmt.

Das ist eine meisterhafte Wiederaufnahme eines perfekt gebauten Stücks.

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