Seit 1999

Vertraute Nachrichten & Rezensionen

26

Jahre

Das Beste des britischen Theaters

Offizielle Eintrittskarten

Wählen Sie Ihre Plätze

Seit 1999

Vertraute Nachrichten & Rezensionen

26

Jahre

Das Beste des britischen Theaters

Offizielle Eintrittskarten

Wählen Sie Ihre Plätze

  • Seit 1999

    Vertrauenswürdige Nachrichten & Rezensionen

  • 26

    Jahre

    Das Beste des britischen Theaters

  • Offizielle Eintrittskarten

  • Wählen Sie Ihre Plätze

KRITIK: Romeo und Julia, Garrick Theater ✭✭✭✭

Veröffentlicht am

Von

alexaterry

Share

Lily James als Julia und Richard Madden als Romeo. Foto: Johan Persson Romeo und Julia Garrick Theatre

8. Juli 2016

4 Sterne

Mehr Infos | Tickets buchen

„Romeo und Julia“, William Shakespeares tragische Geschichte einer verbotenen Liebe, bringt Lily James und Richard Madden wieder zusammen – diesmal, um einem bittereren Schicksal entgegenzugehen als in ihrem Cinderella-Märchen von 2015 – in Kenneth Branaghs vorletzter Produktion seiner Spielzeit am Garrick.

Stilvoll und elegant bis in die Fingerspitzen versetzen Branagh und Rob Ashford diese Fassung in ein passendes Verona der 1950er-Jahre – ein Land, das noch unter den Nachwirkungen des Krieges leidet, während Familien versuchen, sich eine sicherere Zukunft aufzubauen. Kellner servieren Espresso für die geschniegelt in Anzug gekleideten Herren und für die Frauen in modischen Polka-Dot-Kleidern. Vereinzelte „Ciao“-Rufe und das gelegentliche italienische Geplapper, zusammen mit Christopher Orams hohen Marmorsäulen und Howard Hudsons Lichtdesign, schaffen ein überzeugendes Bild: Man meint fast, die Mittelmeersonne im Nacken zu spüren und den Kaffeeduft zu riechen, wie er über die Piazza zieht. Das Gefühl des Unheils ist jedoch nie weit entfernt, denn das Stück ist ausschließlich in Weiß-, Schwarz- und Grautönen gehalten; klagendes Glockengeläut und sporadische, beinahe funerale Gesänge verstärken die herannahende Tragödie, während wir den vom Schicksal verfolgten Liebenden (Spoiler!) bei ihrem unvermeidlichen Untergang zusehen.

Derek Jacobi als Mercutio, Richard Madden als Romeo und Jack Colgrave Hirst als Benvolio. Foto: Johan Persson

„Romeo, Romeo, warum bist du Romeo?“ bekam eine neue Bedeutung, denn aufgrund einer Knöchelverletzung fiel Richard Madden aus – und entsprechend wehte ein spürbarer Hauch von Enttäuschung durch den Zuschauerraum. Als Game-of-Thrones-Fan wollte ich nichts lieber, als die Wiedergeburt des „King in the North“ als liebeskranken Romeo zu erleben. Auch wenn ich den Frust nachvollziehen kann, wenn ein großer Name verhindert ist, neigen wir doch dazu, Prominente zu etwas Übermenschlichem zu verklären – obwohl sie letztlich genau das sind: Menschen. Manchmal erkälten sie sich – wie wir alle. Und manchmal verletzen sie sich.

Lily James als Julia in Romeo und Julia. Foto: Johan Persson

Tom Hanson, normalerweise der Paris der Produktion, ist ein angenehm unaufgeregter, gesprächiger Romeo und verleiht der Figur eine burschikose Note. Ihm gegenüber steht Lily James (Downton Abbey) als aufrichtige Julia, die weit mehr ist als eine kichernde, verliebte Teenagerin: ein nachvollziehbares junges Mädchen, das zunächst wenig für Romantik übrig hat und dann schon beim bloßen Anblick Romeos verzaubert wird. Zwischen James und Hanson fehlt es allerdings an Chemie – ich wollte seufzend und voller Gefühl nach Hause gehen, berauscht davon, wie die Liebenden einander verfallen, doch diese starke Verbindung habe ich nicht gespürt. Trotzdem ist die berühmte Balkonszene verspielt und klug inszeniert, wenn Julia aus einer Champagnerflasche einen ordentlichen Schluck nimmt – berauscht von den Bläschen und den neu erwachten Gefühlen. Die Szene steckt voller unbeholfener Subtexte und koketter Unvollkommenheiten, wie sie zu ersten romantischen Begegnungen gehören. Vielleicht wirkt die ursprüngliche Idee, ein junges Paar könne sich nach dem ersten Treffen derart ineinander verlieren, heute etwas unglaubwürdig – daher ist das für mich eine intelligente Entscheidung und für ein heutiges Publikum sehr stimmig. Diese Romeo und Julia sind nicht kitschig und weit mehr als die Innamorati der Commedia dell’arte. Sie sind (besonders James) aufrichtig und nahbare Versionen zweier Verliebter.

Ansu Kabia als Tybald und Derek Jacobi als Mercutio. Foto: Johan Persson

Und dann ist da Sir Derek Jacobi als Mercutio: fesselnd und wunderschön beredt, seine Queen-Mab-Rede köstlich einfallsreich – die Shakespeare-Sprache so selbstverständlich, als wäre es seine Muttersprache. Den Altersunterschied zwischen Mercutio und seinen jüngeren Begleitern habe ich völlig ausgeblendet; er könnte ohne Weiteres ein älterer Verwandter sein – vielleicht ein ungestümer (und bisweilen campiger) Onkel. Jacobi ist für mich das Highlight, mit seinem bemerkenswerten Witz und feinen Fäden aus Sarkasmus, die er kunstvoll in seine Rede einwebt. Sein Mercutio ist lässig und begegnet dem Duell mit Ansu Kabias Tybalt mit einer spielerischen Unschuld, die seinen Tod umso schmerzlicher macht – schmerzlicher sogar als den Tod der Liebenden. Derek Jacobi, ein Mann, der selbst das Alphabet spannend machen könnte, beherrscht die Bühne allein durch seine Präsenz und wird in der zweiten Hälfte deutlich vermisst.

Meera Syal als Amme und Lily James als Julia. Foto: Johan Persson

William Shakespeares vielseitige Texte sind wie Knetmasse – bereit, in neue Formen gebracht zu werden. Für mich ist die Version von Branagh und Ashford herrlich stilbewusst und elegant raffiniert. Shakespeare fordert Schauspiel und Publikum mit seinem mäandernden poetischen Dialog, und es gibt Momente, in denen der Text etwas holprig und mit gebrochenem Gefühl gesprochen wird. Doch das verzeiht man angesichts einer angespannten Julia, die James mit Angst vor ihrem vergifteten Schicksal zeichnet, und der Pointen von Meera Syals (beinahe menopausaler) Amme. Ein Ticket ist die Investition wert, und ich würde sehr gern allein wegen Jacobi wiederkommen – und um das mondäne Verona der 1950er noch einmal zu besuchen, so sehr es auch in Unheilsahnungen getaucht ist.

„Romeo und Julia“ spielt am Garrick Theatre bis zum 13. August 2016.

JETZT TICKETS FÜR ROMEO UND JULIA BUCHEN

Das Ensemble von Romeo und Julia. Foto: Johan Persson

Diesen Artikel teilen:

Diesen Artikel teilen:

Erhalten Sie das Beste des britischen Theaters direkt in Ihr Postfach

Seien Sie die Ersten, die sich die besten Tickets, exklusive Angebote und die neuesten Nachrichten aus dem West End sichern.

Sie können sich jederzeit abmelden. Datenschutzrichtlinie

FOLGEN SIE UNS