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KRITIK: Romeo und Julia, The Globe ✭✭✭✭

Veröffentlicht am

Von

markludmon

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Kirsty Bushell (Julia) und Edward Hogg (Romeo). Foto: Robert Workman

Romeo & Julia

The Globe

Vier Sterne

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Bei einer Geschichte, die so vertraut ist und so regelmässig gespielt wird wie Romeo und Julia, lässt sich da überhaupt noch etwas Frisches, Neues entdecken? Daniel Kramer beweist mit seiner lauten, energiegeladenen Inszenierung am Globe, dass es geht – und auch wenn im Getöse manche Feinheiten untergehen, sprüht der Abend vor Spektakel, Einfällen und jenem interaktiven Spass, den dieses Open-Air-Theater so gut beherrscht.

Wissenschaftler*innen haben oft darauf hingewiesen, dass die erste Hälfte von Romeo und Julia strukturell mehr einer Komödie ähnelt als der Tragödie, die folgen wird. Wie so oft am Globe wird jede Gelegenheit genutzt, im Streit zweier verfeindeter Familien und ihrer liebestrunkenen Teenager Lacher zu finden. Das Ensemble ist wie für eine wilde Kostümparty gekleidet; die Gesichter sind mit Clown-Schminke bemalt – wie eine Zirkustruppe, allerdings mit einer dunkleren Kante, die an Alternative-Cabaret und die „Gypsy“-Band The Tiger Lillies erinnert. Die grosse Party, bei der sich die beiden Jugendlichen begegnen, beginnt mit einer publikumswirksamen Version von The Village Peoples YMCA, getanzt und gesungen von weiten Teilen des Ensembles, angeführt von Julias Vater Lord Capulet im Dinosaurierkostüm.

Harish Patel (Bruder Lorenzo) und Edward Hogg (Romeo). Fotos: Robert Workman

Trotz des Gelächters wird die Tragödie angedeutet – am deutlichsten durch das wiederkehrende Motiv von Baby-Särgen sowie die schwarzen Leichentücher und das, was wie eine schwebende Bombe wirkt, die über Soutra Gilmours ansonsten kargem Bühnenbild hängt. Der erste grosse emotionale Schlag kommt, als Romeo und Julia sich endlich begegnen – bewegend unterlegt mit dem perfekt gewählten Dinah-Washington-Song This Bitter Earth, der verkündet, das Leben sei ohne Liebe „wie Staub“.

Mit den Todesfällen von Romeos Freund Mercutio und Julias Cousin Tybalt kippt die Stimmung abrupt: Die Szenen werden parallel ineinander verschränkt und zugleich mit der Hochzeit des jungen Paares sowie Julias Warten auf Romeo im Ehebett verwoben. Das gehört zum atemlosen Tempo der Inszenierung, das selten nachlässt und mitunter von Shakespeares Text ablenkt – auch wenn es ruhigere Momente gibt, besonders die berührenden, intimeren Szenen zwischen den beiden Liebenden.

Obwohl die beiden Hauptdarsteller alt genug sind, um selbst Teenager-Kinder zu haben, verkörpern Edward Hogg und Kirsty Bushell die Launenhaftigkeit und nervöse Intensität ihrer jungen Figuren hervorragend. Romeo startet als eher trotzig-emohaftes Jungspund, die Kopfhörer fest auf den Ohren, während Julia sehnsüchtig nach Liebe und einem Ausweg aus der Dominanz ihrer Eltern verlangt. Die Besetzung mit Schauspieler*innen Ende 30 ergibt in der zweiten Hälfte noch mehr Sinn, wenn die Teenager sichtbar schnell erwachsen werden und sich ihrem tragischen Ende stellen – dabei gewinnen sie mehr Reife und Einsicht als ihre verfeindeten Eltern.

Als Lord Capulet ist Gareth Snook angemessen despotisch, bis an die Grenze zur Gewalt, gegenüber seiner Familie, während Martina Laird als seine launische alkoholkranke Ehefrau auf seltsame Weise bemitleidenswert wirkt. Ricky Champs Tybalt ist ein bullterrierhafter Schläger, der unter seiner Clownerie bedrohlich grollt. Merkwürdigerweise spielt er auch noch Capulets Hund – in einem vollständigen Hundekostüm – und stellt damit Tybalts konventionelle Verbindung zu Katzen auf den Kopf. Weitere herausragende Leistungen: Blythe Duff ist als Amme ausgezeichnet; mit ihrer kurz angebundenen schottischen Diktion holt sie aus jeder Zeile Schärfe und Komik heraus. Auch Jonathan Livingstone ist als sympathischer Benvolio überzeugend und hüpft zwischendurch in einem Goofy-Kostüm über die Bühne.

Gareth Snook (stehend) als Lord Capulet und Ricky Champ (am Boden) als Tybalt. Foto: Robert Workman

Bei so viel, das auf der Bühne passiert, hat die Tatsache, dass Mercutio nicht nur von einer Frau gespielt wird, sondern auch als weibliche Figur, im Gegensatz zu Tamsin Greigs Malvolia in Was ihr wollt am National kaum Diskussionen ausgelöst. Das verleiht der Freundschaft zu Romeo eine zusätzliche Ebene: Ihre Zuneigung scheint an romantische Liebe zu grenzen und unterstreicht vielleicht, dass Genderwechsel in Shakespeare mittlerweile weniger bemerkenswert sind. Golda Rosheuvel spielt sie als selbstbewusste Tomboy-Figur, die keine Angst hat, ihre Sexualität zu zeigen; und dass sie zunächst nicht zugeben will, von Tybalt tödlich verwundet worden zu sein, macht ihren Tod umso bewegender. Rosheuvel führt ausserdem die Schlussszene an und leitet das Ensemble in einer eindringlichen Interpretation von Sinéad O’Connors In This Heart – danach bleibt garantiert kein Auge trocken.

Mit regelmässigen Schüben aus Rock- und House-Musik und der unmittelbaren, „in-your-face“-Bühnensprache wirkt die Show zeitweise wie eine Rockoper – unterstützt von Music Director Laura Moody, Music Producer Ben de Vries und Sound Designer Paul Groothuis. Kramer trifft ein paar eigenwillige Entscheidungen, etwa indem er Gift und Schwerter durch Spielzeugpistolen ersetzt, bei denen die Darsteller wie spielende Kinder „Peng“ sagen müssen – das setzt einen irritierend komischen Akzent in Szenen, die sonst traurig wären. Insgesamt jedoch verdienen Kramer und das Ensemble Lob dafür, eine vielfach erzählte Geschichte zu nehmen und ihr eine frische, interessante und aufregende neue Wendung zu geben.

Läuft bis 9. Juli 2017

TICKETS FÜR ROMEO UND JULIA IM GLOBE BUCHEN

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