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BEWERTUNG: Seltsames Zwischenspiel, National Theatre ✭✭✭✭

Veröffentlicht am

Von

stephencollins

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Strange Interlude

National Theatre

28. August 2013

4 Sterne

Nicht oft denke ich nach einem Abend im National Theatre Dinge wie „Ich wünschte, sie hätten den Text nicht so stark gekürzt“ oder „Ich wünschte, das wäre in einem langsameren, gemächlicheren Tempo erzählt worden“ – doch genau diese Gedanken wirbelten mir nach Simon Godwins fesselnder Wiederbelebung von Eugene O’Neills Strange Interlude (ein Stück, das O’Neill seinen dritten Pulitzer-Preis einbrachte) durch den Kopf, das derzeit vor bedauerlich kleinem Publikum im Lyttelton Theatre gespielt wird.

Godwins Arbeit ist hier hervorragend; es ist eine opulente, elegante Inszenierung, die die Themen und Fragen, mit denen O’Neill rang, behutsam freilegt – insbesondere die Vorstellung von Liebe und was es wirklich heisst zu lieben, sowie die lähmende, zugleich aber veredelnde und befähigende Kraft unerwiderter oder, vielleicht treffender, unerfüllter Liebe.

Zu den vielen erstklassigen Qualitäten der Produktion zählt vor allem ein verblüffendes Bühnenbild der allgegenwärtigen Soutra Gilmour, das zahlreiche Schauplätze umfasst, dies jedoch so tut, dass es dem emotionalen Kern des Textes entspricht. So spiegeln in den frühen Szenen, wenn die zentrale Figur Nina sich von ihren Umständen oder dem jeweils dominierenden Mann in ihrem Leben eingeschlossen fühlt, die Räume das Gefühl von Enge, Begrenzung, Einsamkeit. Nach Ninas Heirat öffnet sich die Bühne und lässt Luft zum Atmen. Später, als ihr Mann erfolgreich und wohlhabend ist, wird Ninas Welt zugleich weit und verschlossen – ein Abbild ihres Zustands, schwankend zwischen der Befreiung, die ihr Sohn ihr schenkt, und der Einhegung ihres Geistes, die mit der Ehe mit einem Mann einhergeht, den sie liebt, in den sie jedoch nicht verliebt ist. Die letzten Szenen, voller Kummer, aber auch grossartiger Erlösung und Akzeptanz, spielen in riesigen offenen Räumen und spiegeln die Kraft der grössten Mutter von allen: der Natur.

Der Anblick einer Yacht in Originalgrösse, die hinter einem Art-déco-Apartment in New York auftaucht, wird so schnell nicht verblassen.

Gilmours Arbeit – offenkundig mit einem aussergewöhnlichen Budget – ist schlichtweg grandios.

Als Nina ist Anne-Marie Duff durch und durch packend und verführerisch leuchtend – und sie erweist sich als eine der grössten Schauspielerinnen, die je auf einer britischen Bühne zu sehen waren. Ihre Körperlichkeit, ihr Gespür für innere Vielschichtigkeit, ihre Stille, ihre Artikulation von Schmerz, ihre aussergewöhnliche Fähigkeit, mehrere verschiedene Ninas zu sein und doch ein Ganzes: Sie hat alles. Das ist eine dieser herrlichen, lebensbejahenden Leistungen, die Live-Theater rechtfertigen.

O’Neill nutzt in diesem Stück ein Mittel, das dem Publikum heute vertraut ist: Die inneren Gedanken der Figuren werden dem Publikum als direkte Ansprache/Asides offenbart und stehen im Kontrast zu dem, was die Figuren äussern – 1928, als das Stück uraufgeführt wurde, muss das enorm wirkungsvoll gewesen sein. Die einzige kleine Kritik an Godwins Regie und Duffs Spiel ist, dass der Unterscheidung zwischen beidem nicht genug Sorgfalt gilt; mitunter gleitet Duff – besonders in der ersten Hälfte – verwirrend von einem Zustand in den anderen.

Duff auf Schritt und Tritt ebenbürtig – vielleicht übertrifft er sie sogar, weil seine Rolle weniger sorgfältig gebaut ist, weniger ideal für ganz grosse Arbeit – ist der fabelhafte Charles Edwards, der jeden Moment von Komik, Schmerz und minutiösem Elend findet und trifft; seine letzte Szene mit Duff ist spröde, unerquicklich und aussergewöhnlich.

Geraldine Alexander ist wundervoll als Duffs Schwiegermutter: eine Frau, die von Schuld und Angst so durchdrungen ist, dass sie eine Handvoll anderer Leben zerstört, um eine Wiederholung ihrer eigenen besonderen Traurigkeit zu verhindern. Darren Pettie liefert solide Arbeit als Edmund, Ninas wahre und nie wirklich gesicherte Liebe, und Wilf Scolding überzeugt als Ninas erwachsener Sohn: Seine Szene nach der Beerdigung im letzten Akt ist bemerkenswert in Intensität, Ehrlichkeit und Klarheit. Es ist eine Szene, bei der nur das härteste Herz ungerührt bleiben könnte.

Jason Watkins, ein guter Schauspieler in der richtigen Rolle, wirkt hier wie ein Fremdkörper; als Sam, Ninas Ehemann, aber nicht der Vater ihres Kindes, erscheint er in Stimme und gesamter Anmutung eher als Karikatur (eine merkwürdige Mischung aus Mickey Rooney und W. C. Fields) denn als Figur. Das mag eine bewusste Entscheidung Godwins sein – und falls ja, ist es der eine Fehltritt. Es ist nicht so, dass Watkins schlecht wäre; nur passt seine Leistung nicht recht zu den anderen, besonders in den frühen Szenen. Im zweiten Akt fügt sich seine Arbeit deutlich nahtloser ein.

Überhaupt ist der zweite Akt in jeder Hinsicht geradezu magisch; nur die leichte Befremdlichkeit um das Kind Gordon und das unerklärliche Alter von Emily Plumtrees Madeline (sie ist etwa zehn Jahre zu alt) stören kurz das schimmernde Netz, das diese bemerkenswerte Produktion spinnt. Der Schmerz dieser Figuren und ihre Reise sind so fein, so gedehnt, dass man spürt: Ein etwas langsameres Tempo und mehr Luft zum Atmen hätten Ensemble und Publikum gleichermassen gutgetan – doch das ist Meckern auf hohem Niveau.

Godwins sensationelle Inszenierung wird lange in Erinnerung bleiben – vor allem, weil sie genau das ist, wofür das National Theatre eigentlich immer stehen sollte: erstklassige Produktionen erstklassiger Texte mit erstklassiger Besetzung. Die andere Triple-Threat der Theaterwelt.

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