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REZENSION: Der Wirbel, Chichester Festival Theatre ✭✭✭✭

Veröffentlicht am

Von

Libby Purves

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Unsere hauseigene theatreCat Libby Purves bespricht Noel Cowards „The Vortex“, derzeit im Chichester Festival Theatre.

Lia Williams und Joshua James in „The Vortex“. Foto: Helen Murray The Vortex

Chichester Festival Theatre

4 Sterne

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Als Noel Coward in den 1920ern mit diesem wohl bittersten und intensivsten seiner Stücke schockierte und begeisterte, brachte er parallel in Eile die Farce „Hay Fever“ zu Ende und steuerte auf „Private Lives“, „Design for Living“, „Blithe Spirit“ und einen Namen zu, der zum Synonym für lachend-zynische, schäumend-leichte Salonkomödien werden sollte.  Dieser erste Erfolg jedoch ist der dunkle, wütende ältere Cousin: faszinierend in seiner Anklage all jener glamourösen, lässig-moralischen Maßlosigkeit, die Coward später mit leichterem Spott behandeln würde.

Isabella Laughland und Sean Delaney in „The Vortex“. Foto: Helen Murray

Als ich „The Vortex“ zuletzt sah, fand ich es zu meinem Verdruss vor allem unerquicklich:  Lange vor dem explosiven Ende hatte ich innerlich abgeschaltet – schlicht, weil ich in dieser Welt zu viele Figuren nicht ausstehen konnte.  Man kann sich an gealtert-witzigem Gesellschaftsgeplänkel auch überfressen.   Diese Inszenierung ist klüger: In seiner schnellen, vorwärtsdrängenden Regie – unterstützt von einer wirbelnden Drehbühne und an einer Stelle sogar etwas Rauch – hat Regisseur Daniel Raggett keine Angst, dass uns in der eröffnenden Bohème-Upperclass-Quasselei oder der Partyszene ein paar Worte entgehen.  Entscheidend ist, dass wir den Rausch dieser Leben spüren und das Wesentliche erfassen: die spröde Eitelkeit von Florence Lancaster,  ihre Abhängigkeit von der Verehrung des grobschlächtigen Tom, die Unruhe ihres heimkehrenden Sohns Nicky und die Unwahrscheinlichkeit dieser luftig-nervösen Kreatur in ihrer „Verlobung“ mit der verblüffend bodenständigen Bunty.

Joshua James, Isabella Laughland, Esme Scarborough und Lia Williams in „The Vortex“. Foto: Helen MurrayNoel Coward

So wirkt der Auftakt flott und skizzenhaft, stellt zügig herrlich überflüssige Leute wie Clara (mit schönem Gesang) und Pauncefoot vor (Preis für das campigste Rauchen). Einige Sätze gehen im Gemurmel und Übereinander-Reden verloren, und zugleich bekommt die anhängliche, aber hellsichtige Helen das nötige Gewicht: Sie wünscht sich, Florence würde ihr Alter eingestehen – und die Tatsache, dass ihr absurd junger Liebhaber Tom längst nicht so vernarrt ist wie sie.    Helen deutet auch an, was später dunkler wird:  Nickys wachsende Drogenabhängigkeit;  und wir erhaschen den traurigsten Blick auf Florences Ehemann David, den die Diva schnurrend sagt,  er habe „alt werden dürfen, während ich jung blieb“ – und der als einziger Elternteil wirklich glücklich ist, den 24-jährigen Sohn aus Paris wieder zu Hause zu haben.

Sean Delaney, Lia Williams, Evan Milton, Isabella Laughland und Jessica Aladde in „The Vortex“. Foto: Helen Murray

Diese entschlossene Regie trägt auch durch den zweiten Akt, die Partyszene, in die uns Joanna Scotchers drehendes Bühnenbild sowie markante Bewegung, Rauch und Getöse gnadenlos hineinschleudern. Nicht zuletzt durch Nicky am Klavier (wenn das erotische Debakel passiert, sind Giles Thomas’ Musik und Sound überwältigend, und der Rauch lässt einen kurz denken: „Salonkomödie trifft Horrorfilm“).   Schließlich weichen all die Requisiten, die modische Einrichtung und die kreischenden Gäste kargen Momenten auf leerer Bühne zwischen Helen, Florence und schließlich, kataklysmisch,  Nicky.  Der in Hamlet-Wut gegen die sexuelle Freizügigkeit und Selbsttäuschung seiner Mutter tobt.

Sean Delaney, Lia Williams in „The Vortex“. Foto: Helen Murray

Diese Behandlung funktioniert,  sie schält das Stück auf seinen beabsichtigten wütenden Kern herunter.   Priyanga Burfords Helen und Hugh Ross als Ehemann David  liefern eine kultivierte, kluge Schwere, während die anderen Hauptfiguren dem Desaster entgegentaumeln.   Und im Zentrum ist Lia Williams,  jungenhaft in Reithosen, dann im Kleid glamourös und schließlich im Nachtzeug bebend,  großartig.  Sie wechselt von spröder Heiterkeit zu heulender Demütigung, zurück zur Trotzreaktion: „Es kann doch kein Verbrechen sein, geliebt zu werden, es kann kein Verbrechen sein, glücklich zu sein!“ – und ergibt sich am Ende der Realität einer weniger romantischen Art von Liebe, erschüttert von der Nähe ihres Sohnes zum Abgrund.   Nicky ist Joshua James, Williams’ Sohn im wirklichen Leben, vor allem aber ein erfahrener, feinsinniger Schauspieler.  Er bewohnt überzeugend diesen hübschen, zerbrechlichen, verzweifelten, zu wenig bemutterten Jungen. Gemeinsam sind sie auf der finalen leeren Bühne sensationell.  Man ringt nach Luft.

„The Vortex“ läuft im Chichester Festival Theatre bis zum 20. Mai 2023.

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