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REZENSION: Great Apes, Arcola Theatre ✭✭✭

Veröffentlicht am

Von

markludmon

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Mark Ludmon bespricht Patrick Marmions Bühnenadaption von Will Selfs Roman Great Apes im Arcola Theatre

Das Ensemble von Great Apes im Arcola Theatre. Foto: Nick Rutter

Arcola Theatre

19. März 2018

Drei Sterne

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Für den Turner-Preis-gekrönten Künstler Simon Dykes gerät die Realität aus den Fugen: Er wacht eines Morgens auf und stellt fest, dass er ein Schimpanse ist – in einer von Schimpansen beherrschten Welt, in der Menschen als unzivilisierte Spezies in Zoos und im afrikanischen Dschungel leben. Das ist der Ausgangspunkt für eine witzige und zugleich verstörende neue Bühnenadaption von Will Selfs Roman Great Apes, die die feine Grenze zwischen primitivem und zivilisiertem Verhalten ausleuchtet und der Frage nachgeht, was es bedeutet, Mensch zu sein.

Patrick Marmions geschickte Adaption entfernt sich glücklicherweise von der ursprünglichen Idee des Romans, dass zivilisierte Schimpansen ausschliesslich durch Gesten, Heulen und Grunzen kommunizieren. Heulen und Grunzen gibt es zwar weiterhin – doch diese Affen sprechen auch fliessend Englisch über Philosophie, Literatur, Psychologie und Wissenschaft. Sie nutzen Twitter und YouTube, shoppen bei Ikea und schauen Love Island – und liefern damit satirischen Humor über das moderne Leben, von der Kunstwelt bis zur Büro-Politik.

Ruth Lass und Stephen Ventura in Great Apes im Arcola Theatre. Foto: Nick Rutter

Aus dem Buch ist eine reizvolle Sprachverspieltheit herübergerettet, mit subtilen Änderungen in einigen Wörtern, die von der „Chimpanity“ verwendet werden und im Laufe des Abends für reichlich Schmunzeln – und auch ein paar Stöhner – sorgen. Kinder sind zu „Subs“ geworden, Betten heissen „Nester“ und Partner sind „Konsorten“ und „Alphas“ – wobei öffentliche Kopulation und Masturbation inzwischen als ganz normal gelten.

Der Hingabe der Darsteller:innen, sich wie Menschenaffen zu verhalten, kann man nichts anhaben: Sie stol-zieren über die Bühne, lausen und beschnuppern einander, küssen Hinterteile und benehmen sich ganz allgemein wie Schimpansen direkt aus einer David-Attenborough-Naturdoku. Es gibt keine Schimpansenmasken oder Kostüme – abgesehen von lockeren braunen Hosen, die verdeutlichen, dass diese zivilisierten Affen Kleidung unterhalb der Taille als tabu betrachten. Umso mehr liegt es am Ensemble – unterstützt von Movement Director Jonnie Riordan sowie dem Experten für Schimpansen-Physis und -Vokalisierung Peter Elliott –, dass man schnell bereit ist, den Unglauben auszusetzen und nicht doch zu denken, man sähe gerade tatsächlich Schimpansen, die über Wittgenstein, Dante und Freud diskutieren. Simons verstörende neue Realität erhält zusätzliche Schärfe durch die markante Klanglandschaft von Sound Designer Dan Balfour sowie das Lichtdesign von Matt Haskins.

Trotz der absurden Prämisse ist Bryan Dick als Simon intensiv und glaubwürdig – ein Mann, der sich seiner neuen Schimpansenwirklichkeit stellen muss. Das Ensemble meistert dieses kühne Konzept mit genau der Ernsthaftigkeit, die es braucht, damit es funktioniert und witzig bleibt – darunter Ruth Lass als renommierte Psychiaterin und Alpha-Männchen Dr. Zack Busner, die Simons Fall übernimmt. Oscar Pearce führt straff Regie; doch obwohl der Abend nur zwei Stunden dauert, ist er – wie das 500-seitige Buch – eine ausgedehnte Fabel, die sich stark auf eine einzige Idee stützt und sich zu sehr auf Wortspiele sowie den Witz verlässt, dass deutlich menschliche Figuren sich wie Schimpansen benehmen, so amüsant das auch sein mag. Dennoch lässt sich nicht leugnen: Das ist ein einprägsames Stück Theater, das den Blick auf die Mitmenschen verändert.

Zu sehen bis 21. April 2018 im Arcola Theatre

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