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KRITIK: Jekyll & Hyde, Platform Theatre ✭✭✭

Veröffentlicht am

30. Juli 2015

Von

danielcolemancooke

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Jekyll & Hyde

Platform Theatre

29. Juli 2015

3 Sterne

Niemand kann dieser Neubelebung vorwerfen, langweilig oder übervorsichtig zu sein. Jonathan Holloways Inszenierung zerlegt Stevensons ursprüngliche Novelle und versetzt die Geschichte in eine neue Ära – zudem führt sie neue Figuren und Themen ein.

Jekyll ist nicht länger ein steifer Mann im Anzug – stattdessen ist sie eine Forscherin aus Osteuropa. Von unaussprechlichem (und nicht näher benanntem) Missbrauch im Krieg gezeichnet, kommt sie nach England und stürzt sich in ihre Forschung und ihre neue Laufbahn. Da das England des 19. Jahrhunderts unabhängigen Ärztinnen wenig offen gegenübersteht, macht sie es wie Viola und verkleidet sich als Mann. Tragischerweise treibt sie das Method Acting auf die Spitze und verwandelt sich langsam in das testosterongesteuerte Monster, das sie am meisten fürchtet – einen gewissen Mr Hyde.

Das Konzept ist wagemutig und spannend – und in manchen Händen hätte es krachend scheitern können. Hier jedoch wirkt es frisch und gut umgesetzt, sodass sich das neue Gender-Thema organisch anfühlt und zum Original passt – das selbst eine Allegorie auf Konflikt und Dualität ist. Die Dialoge sind flüssig und pointiert, als könnten sie direkt aus Stevensons Feder stammen, und ein neuer Handlungsstrang – Jekylls Liebesaffäre mit einem unglückseligen englischen Gentleman – ist fesselnd und überzeugend gespielt.

Allerdings wird die sich entfaltende Geschichte in den Rahmen eines Verlegers gesetzt, der das Manuskript der Erzählung kaufen will; das wirkte oft entbehrlich, und das Stück wäre ohne diesen Kunstgriff vermutlich stärker. Zudem leidet es stellenweise unter einer kleinen Identitätskrise: Im Text gibt es einige China-Verweise, und über der Bühne hängen hübsche chinesische Laternen. Die Anspielungen sind angesichts der Entstehungsgeschichte der Produktion (eine britisch-hongkonger Koproduktion) nachvollziehbar, wirken aber etwas hineingezwängt und nicht vollständig ausgearbeitet.

Olivia Winteringham ist als Titelfigur(en) fesselnd und vielschichtig. Wenn es gefragt ist, ist sie verheerend sexy und verführerisch – zugleich aber verstörend und beängstigend, sobald sie sich in die Schurkin des Abends verwandelt. Winteringham sprang an einer Stelle zudem mit Anlauf durch eine Falltür – eine Leistung, über die ich immer noch grüble, wie sie das geschafft hat, ohne sich zu verletzen!

Jekylls Love Interest Henry Utterson wurde von Michael Edwards ebenfalls feinfühlig gespielt. Seine Darstellung zeigte einen sympathischen, aber innerlich zerrissenen Mann, hin- und hergerissen zwischen der Unterstützung der Frau, die er liebt, und dem Wunsch, auf der richtigen Seite des Gesetzes zu bleiben. Außerdem bewies er ein gutes Gespür für komisches Timing – besonders in den Szenen, in denen er versucht, sich aus den Fängen einer durchgedrehten Verlobten zu befreien.

Allerdings war die Intonation einiger Gastdarsteller*innen mitunter etwas unsauber, was die Qualität des Textes gelegentlich überdeckte. Es fällt mir schwer, das zu sagen – schließlich muss es eine enorme Herausforderung sein, in einer zweiten Sprache zu spielen (ich kriege es ja kaum in einer hin!) –, aber es war bemerkbar.

Im Ensemble gab es einige sehr starke Leistungen; beeindruckend, wie mühelos hier zwischen unterschiedlichen Rollen und Musikinstrumenten gewechselt wurde. Die musikalischen Zwischenspiele waren gelungen und trafen den richtigen Ton, auch wenn die einzige Tanznummer der Show nicht ganz so gut funktionierte – zu sehr verdeckt von Trockeneis und der schieren Anzahl an Mitwirkenden.

Neil Irishs Bühne war ein Rätsel: mit allerlei Falltüren und Leitern sowie einer ausgesprochen cleveren Drehtür, die es erlaubte, dass sich die Rückseite des Bühnenbilds so häufig wandelte wie die Titelfigur. Auch die Kostüme waren extravagant und farbenfroh; Jekylls und Hydes Verwandlung und wechselnde Stimmungen wurden durch eine Reihe interessanter Outfits hervorragend sichtbar gemacht.

Jekyll & Hyde wirkt nie wie ein billiger Gag und umgeht die Fallstricke so vieler Neuinterpretationen. Stattdessen ist es eine kluge und kreative Produktion, durchgehend sehr gut gespielt, inszeniert und geführt.

Jekyll & Hyde läuft im Platform Theatre bis zum 8. August 2015

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