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REZENSION: L'Amore Dei Tre Re, Opera Holland Park ✭✭✭✭✭

Veröffentlicht am

Von

timhochstrasser

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Aled Hall als Flaminio, Mikhail Svetlov als Archibaldo, Simon Thorpe als Manfredo und Natalya Romaniw als Fiora in L'Amore dei tre Re L'Amore Dei Tre Re (Die Liebe dreier Könige)

Opera Holland Park

28/07/15

5 Sterne

Opera Holland Park kann auf eine beeindruckende Bilanz zurückblicken, wenn es darum geht, Werke aus dem italienischen Opernrepertoire wiederzubeleben, die einst berühmt waren und inzwischen mehr oder weniger aus dem Blickfeld geraten sind. In diesem Jahr steht Die Liebe dreier Könige von Italo Montemezzi im Mittelpunkt, 1913 an der Scala uraufgeführt und vielfach wieder aufgenommen – nicht zuletzt an der Metropolitan Opera in New York bis nach dem Zweiten Weltkrieg. Es ist kein Werk, das sich leicht einordnen lässt. Naheliegend ist der Vergleich mit Puccini, angesichts des ähnlichen zeitlichen Rahmens und der Konzentration auf Melodram; doch letztlich ist das eher wenig hilfreich.

Dieses Werk verdankt weit mehr der verzögerten Rezeption von Wagner und Richard Strauss in Italien im ersten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts als Puccini oder Verdi. Wer also mit solchen Erwartungen kommt, wird zwangsläufig enttäuscht. Im Zentrum stehen kunstvoll übereinandergeschichtete harmonische Komplexität sowie kurze Melodien oder Fragmente, die in chromatischer Dichte ineinander, umeinander und übereinander brodeln und sich winden. Eine jener langen, weit ausschwingenden, ständig sich entfaltenden Melodielinien, für die Puccini berühmt war, findet man hier nicht.

Das Orchester ist deutlich präsenter – zeitweise sogar dominierend – als in den meisten verismo-Opern der Epoche, und tatsächlich gibt es Passagen, in denen der Komponist nahezu zu zitieren scheint und Motive der deutschen Meister weiter ausarbeitet. So gibt es zu Beginn des dritten Akts eine konkrete Reminiszenz an Strauss’ Tod und Verklärung, und das schwül aufgeladene Liebesduett im Zentrum des Werks ist ohne den zweiten Akt von Tristan und Isolde als Vorbild und Modell kaum denkbar. Dennoch ist das keineswegs ein bloß abgeleitetes Stück, sobald die musikalische Palette mit einer kompromisslos melodramatischen Handlung von großer erzählerischer Wucht konfrontiert wird. Hinzu kommt eine politische Agenda, die spezifisch italienisch und nicht deutsch ist – und die in dieser hervorragenden Produktion stark herausgearbeitet wird, zu Recht.

Simon Thorpe als Manfredo und Mikhail Svetlov als Archibaldo

Die Oper ist in drei Akte unterteilt, doch da jeder nicht länger als eine halbe Stunde dauert, hat sich das Kreativteam entschieden, ohne Pause durchzuspielen. Auch das ist eine gute Entscheidung. Vor jedem Akt stehen kraftvoll beschreibende Orchesterpräludien, die sich stattdessen hervorragend als Zwischenmusiken eignen und die Handlung fließend halten. Die Intensität der Musik und die Leistungen der vier Hauptpartien sind so groß, dass man am Ende das Gefühl hat, die Oper habe (im besten Sinne!) deutlich länger gedauert als nur neunzig Minuten. Schauplatz ist angeblich das mittelalterliche Italien, wo Archibaldo (Mikhail Svetlov) einige Jahre zuvor aus dem Norden eingefallen ist und Altura/Italien erobert hat. Er hat Prinzessin Fiora (Natalya Romaniw) gezwungen, seinen Sohn Manfredo (Simon Thorpe) zu heiraten – obwohl sie bereits mit einem einheimischen Italiener, Avito (Joel Montero), verlobt ist.

Die Handlung zeigt die Folgen dieser Fehlverbindung – persönlich wie politisch. Die Inszenierung verlegt das Geschehen in eine heutige lateinamerikanische Diktatur und verliert dabei nichts, denn die zentralen Themen Rache, verbotene Liebe, ritterlicher Wagemut, Mord und verzweifelter Selbstmord sind kaum an Zeit oder Ort gebunden. In Manfredos Abwesenheit nimmt Fiora ihre Beziehung zu Avito wieder auf, zieht sich jedoch den Hass Archibaldos zu, der die Wahrheit ahnt, sie aufgrund seiner Blindheit aber nicht endgültig beweisen kann. Alles nimmt mit vorhersehbarer Geschwindigkeit ein schlimmes Ende, und die Leichen häufen sich nach und nach, während Archibaldo letztlich durch seine eigene fehlgeleitete List endgültig bestraft wird. Politische Schärfe gewinnt die Handlung, als der Chor der Bürger in die Rache für Fiora hineingezogen wird – und hier findet sich mehr als eine Spur der irredentistischen Sympathien des Librettisten Sem Benelli, eines Schülers von Gabriele D’Annunzio, der entschlossen war, Italien Gebiete von Österreich zurückzuholen.

Natalya Romaniw als Fiora und Joel Montero als Avito

Damit eine Inszenierung bei einem derart hoch aufgetürmten Melodram funktioniert, müssen alle Beteiligten sich ihm vollkommen verschreiben – und, ganz wie in der leichten Komödie, für die Dauer der Aufführung vollständig an seine Konventionen glauben. Ironie oder distanzierende Kunstgriffe verträgt es nicht, ohne dass das ganze bizarre Gebäude in sich zusammenfällt. Die Stärke dieser Produktion liegt darin, dass Opera Holland Park ein souveränes Bekenntnis zur Sache vermittelt – und genau deshalb ist sie auf ganzer Linie ein triumphaler Erfolg.

Das Bühnenbild verlangt einen Burgturm, in dem Fiora lebt und von dem aus sie ein großes weißes Banner zeigen muss, um Manfredo den Abschied zu signalisieren. Es muss ein einschüchterndes Symbol männlicher und königlicher Macht sein – zugleich aber ein flexibler Spielraum. Regisseur Martin Lloyd-Evans und sein Team gelingt das größtenteils. Der Betonblock, der die Bühne dominiert, ist gleichermaßen bedrohlich wie wandelbar. Seine Schießscharten dienen eindrücklich auch als Orte für Trauerblumen, und die Außentreppen ermöglichen, dass einige der wichtigsten Szenen sowohl erhöht als auch präsent im Zentrum gespielt werden – auch wenn ich ein paar Bedenken hinsichtlich der Health-and-Safety-Implikationen für die Sängerinnen und Sänger hatte! Das gesamte Ensemble ist in ausgezeichneter Form, besondere Ehren gebühren Romaniw und Svetlov, deren gemeinsame Szenen große Wucht hatten und die jeweils gegen ein voll aufgedrehtes Orchester anprojizieren mussten. Thorpe und Montero haben weniger Gelegenheit, Charakter-Nuancen auszuarbeiten – ihre Rollen sind stärker funktional für die Handlung, als dass sie eine eigenständige Identität entwickeln. Doch der Komponist schenkt beiden Männern einige sehr schöne vokale Momente, sowohl in schwül aufgeladenen Duetten mit Fiora als auch gemeinsam in der finalen Selbstverbrennungsszene. Diese Momente nahmen sie mit Bravour. Die kleineren Rollen waren sehr kompetent besetzt, und der Chor vermittelte Trauer wie auch Aggression gegenüber einer Besatzungsmacht mit wirkungsvoller Energie und angemessen unterschwelliger, köchelnder Verbitterung.

Der strahlende Star des Abends war allerdings das Orchester: Die City of London Sinfonia unter dem gewandten und präzisen Dirigat von Peter Robinson hatte einen Glanzabend. Die gemeinsamen, verdichteten Passagen erzeugten echte Spannung und ein Gefühl von Wagnis; zugleich gab es viele ruhigere Momente, besonders im Holz, die Charakter und Emotionen wirkungsvoll und feinfühlig unterlegten. Montemezzi mag ein Komponist gewesen sein, der vor allem für ein einziges Werk steht – doch diese Aufführung lieferte das bestmögliche Plädoyer für sein Meisterstück, und man kann nur hoffen, dass der Ruf dieser Wiederentdeckung eine Welle weiterer Aufführungen im In- und Ausland anstößt. Der ganze Abend zeigte Opera Holland Park von seiner besten Seite.

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