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REZENSION: Nice Work If You Can Get It, Upstairs At The Gatehouse ✭✭✭✭
Veröffentlicht am
16. Dezember 2018
Von
julianeaves
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Julian Eaves rezensiert „Nice Work If You Can Get It“ von Joe DiPietro mit der Musik von George und Ira Gershwin, präsentiert von Ovation Productions Upstairs at the Gatehouse.
Fraser Fraser und Abigail Earnshaw in „Nice Work If You Can Get It“. Foto: Darren Bell Nice Work If You Can Get It
Upstairs At The Gatehouse
14. Dezember 2018
4 Sterne
Tickets buchen Die Show zur Weihnachtszeit in diesem erstklassigen Londoner Fringe-Theater ist jedes Jahr das Flaggschiff-Event der Saison – und wird stets mit gespannter Vorfreude erwartet. Die hauseigene Produktionsfirma Ovation, gegründet von der ansässigen Produzentin Katie und Regisseur John Plews, hat sich zum Ziel gesetzt, hochklassiges Musical-Entertainment zu präsentieren: mit den besten aufstrebenden Talenten, kombiniert mit dem Know-how erfahrener Profis – und das zu nahezu budgetfreundlichen Preisen. Das ist eine Erfolgsformel und hat eine Reihe prachtvoller, kleiner angelegter Inszenierungen großer Shows hervorgebracht – brillant umgesetzt in dem intimen Raum mit rund 200 Plätzen über dem zunehmend hoch angesehenen nordlondoner Gastro-Pub, oben im Viertel gelegen.
Jessica Elizabeth Nelson als Billie Bendix. Foto: Darren Bell
In diesem Jahr ist dem umtriebigen Plews ein echter Coup gelungen: die britische Erstaufführung von Joe DiPietros Tony-prämierter „Erfindung“ einer „neuen“ Screwball-Musicalkomödie, die großzügig – aber stets leichtfüßig – aus den herrlich übermütigen und albernen Musicals der 1920er von Guy Bolton und P. G. Wodehouse schöpft: eine Welt zweidimensionaler, aber lebendiger Figuren, verrückter Eskapaden und immer wieder pointiert zeitgenössischer Anklänge – liebevoll satirisch durchleuchtet. Die federleichte Handlung dreht sich um einen jungen, glamourösen Lebemann, der beabsichtigt, aus Geldgründen eine Erbin zu heiraten, flacher als Cellophan – wird jedoch vom Schicksal zunehmend mit einer viel passenderen, allerdings gefährlich verführerischen Ganovin mit Herz zusammengeführt. Um sie herum kreist ein ganzes Sternbild bizarrer Genre-Stereotype: die herrische, aber wild befreite Mutter, die Gauner, die schinkig als unterwürfige Diener posieren, der inkompetente Polizist, der käufliche Politiker, der missbilligende Moralapostel und so weiter – flankiert von einem sprühenden Ensemble aus Chorus-Girls und -Boys, die die Bühne so oft wie möglich für großartige Song-and-Dance-Nummern füllen.
Jessica Elizabeth Nelson und ihre Nice Work Boys. Foto: Darren Bell
Und was für Nummern! Die Musik (betreut von Charlie Ingles) ist hier aus einigen bekannten und einigen nahezu nie gehörten Tunes von George und Ira Gershwin zusammengefügt – und sie begeistert ausnahmslos, in klug fantasievollen Arrangements von Bill Elliott. Die choreografische Umsetzung von Grant Murphy (assistiert von Amy Perry) geht nahtlos aus Plews’ flotter Regie hervor: Achten Sie besonders auf den wohl herausragenden theatralen Coup der Badeszene, in der Pollyanna Elstons Design zu wunderbaren Höhen des Nonsens aufläuft – ganz zu schweigen von ihrem stets makellosen Blick fürs Detail bei den hinreißenden Kostümen der Produktion (betreut von Nadine Froehlich, mit wunderschönen Perücken von einem weiteren Mitglied des Host-Family-Teams, Jessica Plews). Alles ist stimmungsvoll ausgeleuchtet von Sam Waddington; das Sounddesign stammt von Nico Menghini, dem das Kunststück gelingt, die zwölf Stimmen des Ensembles mit der grell-glänzenden, messingfarbenen Sechser-Band oben auf der Musiker*innengalerie in Balance zu bringen.
David Pendlebury und Nova Skipp in „Nice Work If You Can Get It“. Foto: Darren Bell
Doch es sind die Schicksale der Figuren, die unser Herz fest im Spiel halten. Alistair So (Jimmy Winter) ist ein aufstrebendes Talent; zuletzt war er als Cover für Lun Tha in der opulenten Produktion von „The King and I“ im Palladium zu erleben – und seine Stimme ist von wunderbarer Schönheit, mit wirklich umwerfenden Spitzentönen und einem satten, warmen Kern. Ihm gegenüber steht Jessica-Elizabeth Nelson (Billie Bendix) als perfekter Kontrast: mit einem stählernen, kristallklaren Mezzo, der sowohl den schmetterndsten Showtune als auch die leiseste, zarteste Ballade perlmuttartig schimmern lässt. Erstaunlicherweise gibt Musical Director Chris Poon mit dieser herausragenden Besetzung hier sein professionelles Debüt – und entlockt ihr Leistungen erster Güte, die eine glänzende Karriere erahnen lassen (manch eine*r dürfte sein beeindruckendes „Sunday in the Park with George“ für NYMT am The Other Palace vor ein paar Sommern erlebt haben – neben weiteren Highlights in seinem schon jetzt bemerkenswerten Lebenslauf).
Zum übrigen Ensemble gehören die herrlich schreckliche Verlobte Eileen Evergreen (Charlotte Scally), David Pendleburys großspurig liebenswerter Gauner Cookie McGee, Abigail Earnshaws abwechselnd schüchterne und vulgäre Jeannie Muldoon, Fraser Frasers gewinnend linkischer Duke Mahoney, Harry Cooper-Millars leichtgläubiger, begriffsstutziger Chief Berry, Stuart Simons’ behäbig nachsichtiger Paterfamilias Senator Max Evergreen, Grace McInernys Doppelschlag als Freundin Dottie und als großartige Mutter Millicent, außerdem die furchtbare Spaßbremse Estonia Dulworth – in den Händen von Nova Skipp ein Riesenspaß – sowie die weiteren Ensemble-Player Adam Crossley (der Kumpel des Senators, Elliot, und zudem Dance Captain) und Kirsten Mackie (die außerdem die hervorgehobene Rolle der Rosie übernimmt).
Auch wenn das Buch gelegentlich den richtigen Ton aus dem Blick verliert und der komische Funke mal fällt und mal steigt, bleibt das Wesen der Show doch sehr eindeutig am richtigen Platz – und als Festtagsunterhaltung kann sie kaum eine effektivere Ablenkung von den vielen unangenehmen Realitäten bieten, die uns derzeit beschäftigen. Wie schon in den 1920ern hat auch unsere Gegenwart Appetit auf eskapistischen Spaß – und diese Produktion liefert ihn im Überfluss. Hingehen und genießen!
NICE WORK IF YOU CAN GET IT – TICKETS
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