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KRITIK: The Convert, Young Vic Theatre ✭✭✭✭✭
Veröffentlicht am
Von
sophieadnitt
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Sophie Adnitt bespricht The Convert von Danai Gurira, jetzt im Young Vic Theatre.
Letitia Wright in The Convert. Foto: Marc Brenner The Convert Young Vic
Fünf Sterne
Tickets buchen Von Fans als Black Panther-Mini-Reunion betitelt, ist The Convert – geschrieben von der Marvel-Darstellerin Danai Gurira und mit ihrer Co-Darstellerin Letitia Wright – zweifellos auch ganz für sich genommen herausragend.
Wir schreiben das Jahr 1896, der Schauplatz ist das heutige Simbabwe, und die temperamentvolle junge Jekesai (Wright) flieht vor einer arrangierten Ehe in den Dienst von Chilford (Paapa Essiedu), einem strenggläubigen Katholiken und angehenden Priester. Entschlossen, Jekesai zu seinem Glauben zu bekehren, nennt Chilford sie Ester und ist bald fasziniert davon, wie rasch sie sich zu seiner Protegée wandelt. Doch Esters Erlösung hat ihren Preis – und währenddessen verändert sich die Welt außerhalb von Chilfords Haus rasant; die Spannungen wachsen, ob es ihm gefällt oder nicht.
Paapa Essiedu in The Convert. Foto: Marc Brenner Das Stück dauert drei Stunden, dennoch scheint jeder Akt in Minuten vorbeizurasen. Guriras Text ist voller unvorhersehbarer Wendungen und hält das Publikum durchgehend in Bann – die einzigen Unterbrechungen sind die hörbaren Reaktionen, die die Geschichte hervorruft. Von Stöhnen und erschrockenen Atemzügen bis hin zu Gelächter: In diesem Stück steckt überraschend viel Humor, und der Ton kippt auf den Punkt genau ohne Vorwarnung von amüsant zu schonungslos. Mit Themen wie Kolonialismus, Rassismus, Identität, Fortschritt und der Frage, was „Gutes tun“ eigentlich bedeutet, ist The Convert kein leichter Abend – aber definitiv ein lohnender. Trotz des historischen Settings gibt es verblüffende Momente unmittelbarer Aktualität, die im Saal zustimmendes Raunen auslösen.
Luyanda Unati Lewis-Nyawo und Letitia Wright in The Convert. Foto: Marc Brenner
Das Geschehen konzentriert sich auf Chilfords Arbeitszimmer, direkt in der Mitte des Young-Vic-Zuschauerraums platziert. Ein begrenzter Raum – und doch entsteht durch Dialog allein eine ganze Welt außerhalb. Diese abgeschlossene Welt ist zunächst von durchscheinenden Wänden umgeben, die sich im Laufe der Aufführung heben und dem Publikum Zugang gewähren. Diese Figuren stehen stets unter Beobachtung, ohne Rückzugsmöglichkeit – vielleicht ganz so, wie sie auch von ihrer Gesellschaft permanent beäugt werden. Für die Menschen, die er bekehren will, gilt Chilford als Verräter; doch trotz seiner Umgangsformen und westlichen Attitüde wird er für seine weißen Vorgesetzten niemals europäisch genug sein.
Als Chilford ist Essiedu außergewöhnlich. Seine Körperlichkeit ist vom ersten Moment an vollkommen ausgearbeitet: aufrechter Rücken, die Arme streng an die Seiten gepresst – selbst seine Füße stehen ordentlich beieinander, sobald er stillsteht. In den Händen eines schwächeren Darstellers könnte Chilford leicht zum Bösewicht des Stücks werden, doch Essiedu fängt einen zerrissenen und vielschichtigen Mann ein, gefangen zwischen dem Druck von Ehrgeiz und Erwartung. Als sein Mitstreiter Chancellor zeigt auch Ivanno Jeremiah ein facettenreiches Porträt einer Figur, zu der man nur schwer Zugang findet – mit fantastischer stimmlicher Klarheit.
Das Ensemble von The Convert. Foto: Marc Brenner
Auch Letitia Wright arbeitet mit beeindruckender Körperlichkeit, wenn sie sich von Jekesai zu Ester verwandelt – von locker, beweglich und expressiv hin zu aufrecht und reglos. Wright ist ein außergewöhnliches Talent, wirkt auf der Bühne vollkommen zuhause und zieht selbst im Stillstand die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich. Als gebildete Prudence ist Luyanda Unati Lewis-Nyawo schlichtweg sensationell. In einer vielschichtigen, komplexen Darstellung bündelt Lewis-Nyawo so viele Ebenen von Schmerz und gezügelter Wut. Wie Chilford ist auch sie unfreiwillig zwischen zwei Welten gefangen und wieder auf keiner Seite „genug“, um akzeptiert zu werden. Prudence ist eine verdammt große Rolle, und Lewis-Nyawo stiehlt beinahe jedes Mal die Szene, wenn sie auftritt – mit gedämpfter, brodelnder Fury und bissigem Humor.
So selten begegnet man einem Ensemble, in dem ausnahmslos alle großartig sind – kein schwaches Glied, kein Stolpern dazwischen. Wright und Essiedu sind beide unglaublich, aber das gilt ebenso für alle Kolleginnen und Kollegen. Pamela Nomvete, Rudolphe Mdlongwa und Jude Akuwudike sind ebenfalls enorm kraftvoll als Jekesais Verwandte, die versuchen, ihrer Bekehrung zu widerstehen.
Eine außergewöhnliche Kombination aus erstklassigem Spiel und packendem Text – das Ergebnis ist ein überwältigendes Theatererlebnis. Ich hätte keinen Makel gefunden, selbst wenn ich gewollt hätte. Fünf Sterne, und völlig verdient – genau diese Art von Theater braucht London.
Bis 26. Januar 2019
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