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KRITIK: Die Herzogin von Malfi, Sam Wanamaker Playhouse ✭✭✭✭✭
Veröffentlicht am
25. Januar 2014
Von
stephencollins
Die Herzogin von Malfi
Sam Wanamaker Playhouse
24. Januar 2014
5 Sterne
John Websters Stück Die Herzogin von Malfi schien schon immer schwer zu lieben. Allzu oft wird es als Starvehikel für eine grosse tragische Schauspielerin präsentiert oder als Tragödie in der Liga von Hamlet oder Othello gedacht und gespielt. Tatsächlich ist es jedoch weder das eine noch das andere – wie diese fesselnde und durchweg (zugegeben: überraschend) höchst unterhaltsame Produktion, die die Eröffnungssaison im Sam Wanamaker Theatre einläutet, unter der Regie von Dominic Dromgoole ganz eindeutig beweist.
Es ist ein komisches, albernes, pseudo-schauerliches Vergnügen: der natürliche Vorläufer des „Stich-im-Dunkeln“-Genres und, noch wichtiger, des Grand Guignol. Man kann nahezu eine klare Gerade von Websters Stück bis zu Sondheims Sweeney Todd ziehen. Und Dromgoole macht das in dieser aufschlussreichen Inszenierung mit einer ausgesprochen stilvollen Besetzung eindrucksvoll deutlich.
Es ist interessant, dem Publikum zuzusehen – viele scheinen für „würdiges, wichtiges tragisches Theater“ gekommen zu sein –, wie es zunächst erschrickt und sich dann von den komischen Untertönen verführen lässt, die die tragischen Aspekte des Stücks und der Figuren ergänzen, vielleicht sogar erst möglich machen. Das sind keine Lacher aus Verlegenheit; es sind Lacher, die sich eine Besetzung verdient, die dem Material seinen inneren Wert abringt.
Als Eröffnungsfestmahl für ein neues Theater ist kaum eine bessere Wahl vorstellbar als diese Produktion dieses Stücks.
Als der bösartige, eigennützige, inzestuös gesinnte Herzog Ferdinand ist David Dawson schlicht wunderbar. Er findet jede Ecke der Figur und schöpft ihr ganzes Potenzial aus. Ihm zuzusehen ist magisch, absolut fesselnd. Boshaft, launenhaft, gehässig, schelmisch, geschniegelt, hochmütig, mörderisch, wahnsinnig und sexuell gierig (wenn es um ein Geschwisterteil geht, jedenfalls) – seine Leistung ist der Anker dieser Inszenierung. Der Moment, in dem er seine Finger mit denen seines Kardinal-Bruders verschränkt, liess einen regelrecht zusammenzucken. Eine Darbietung von intensiver Nuancierung und wilden, breiten Pinselstrichen. Faszinierend und zwingend. Er ist ein Star im Aufstieg.
In der oft weggeworfenen Rolle des Antonio ist Alex Waldmann ebenso gut und erfüllt das Versprechen und die Höhen, die er in seinen Spielzeiten bei der RSC erreicht hat. Stimmlich war er der sicherste in der Besetzung und vermittelte mühelos Sinn und Gewicht des Textes. Seine frühen Szenen mit der Herzogin sind pures Vergnügen; ein feiner, gossamerartiger Schimmer von Glück, gegründet auf echter Liebe, der als vollständiger Gegenpol zu den anderen „Liebes“-Varianten im Zentrum der Handlung wirkt. Waldmann ist ein hervorragender romantischer Hauptdarsteller und hat einen weiten Weg zurückgelegt seit seinen ersten, zögerlichen Schritten in der Donmar-Produktion von Was ihr wollt vor fünf Jahren. Einer, den man im Blick behalten sollte. In der Titelrolle überrascht Gemma Arterton. Zunächst wirkt sie für diese grosse tragische Partie zu leichtgewichtig, doch im Verlauf erkennt man: Eigentlich passt sie sehr gut. Ihre Szenen mit Waldmann sind voller Wärme und Freude; ihre Szenen mit ihren Brüdern voller unausgesprochener Spannung und Konflikte. Sie hat eine natürliche Energie, die das Kerzenlicht irgendwie noch betont, und sie bringt – fast buchstäblich – die Bühne zum Leuchten. Mitunter scheint sie ein wenig zu ernsthaft zu „spielen“ und wäre besser beraten, die Figur sie verkörpern zu lassen, wie es die meisten ihrer Mitspieler tun. Niemand wird je behaupten, sie sei eine „grosse“ Herzogin von Malfi gewesen – aber sie war grossartig in Die Herzogin von Malfi. Sie stirbt spektakulär gut und meistert den schwierigen „Wiederbelebungs“-Moment äusserst klug, mit grosser Wirkung. Vor allem aber sind es ihre abrupten Stimmungswechsel – etwa wenn sie ihren mörderischen Bruder im Handspiegel entdeckt –, die sich theatralisch wirklich auszahlen.
Sean Gilder kann mal treffen, mal danebenliegen – aber als Bosola ist er hier ganz eindeutig ein Treffer. Es ist eine ziemlich undankbare Rolle: viel der Erzähl-Last, wenige der grossartigen Glanzmomente. Doch Gilder erfüllt das Ganze mit einer rauen, bodenständigen und durch und durch glaubwürdigen Zielstrebigkeit, sodass einige der eher lachhaften Plotpunkte wie Wendepunkte der Geschichte wirken. In jeder Hinsicht eine feine, reife und vollmundige Leistung.
Ebenfalls in der Kategorie „Treffer oder daneben“ ist James Garnon (zuletzt der bedauerliche Don Pedro in dem unaussprechlichen Mass für Mass am Old Vic – ja, genau, die Inszenierung mit Redgrave), der hier den gerissenen, manipulativen und machiavellistischen Kardinal spielt. Tatsächlich ist es die beste Leistung, die ich von ihm gesehen habe, und wenn er auf der Höhe ist, ist er geradezu sensationell: Die Szene, in der er seine Geliebte ermordet, ist elektrisierend, und für weggeworfene komische Zeilen hat er eine wunderbare, fast Noël-Coward-hafte Leichtigkeit. Mit Dawson zusammen formte er mühelos ein Brüderpaar, für das das Wort „exkremental“ noch zu freundlich wäre. In seiner Art zu sprechen lag ein wilder Humor, der sehr willkommen war, und mit den stimmlichen Anforderungen des Textes hat er keinerlei Probleme. Und doch ... fehlte etwas Unfassbares; das verbindende Ganze, das die Figur zementieren würde, ist einfach nicht da. Es ist nicht fatal, aber rätselhaft – denn offensichtlich kann Garnon, wenn man ihn nur genug fordert, liefern. Er sollte es tun.
Denise Gough ist als Geliebte des Kardinals bemerkenswert. Alles, was sie tut, ist perfekt dosiert und hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck. Ihre Erkenntnis, dass ihr Liebhaber sie vergiftet hat, war erschreckend authentisch, und wie Arterton hatte sie starke Sterbekrämpfe. In der deutlich weniger gut geschriebenen Rolle der Cariola ist Sarah MacRae ebenso gut. Auch sie stirbt mit verzweifelter Klarheit, und ihre Fähigkeit, das schmachtende, doppelzüngige Dienstmädchen zu zeichnen (bei nahezu nichts, worauf sie bauen kann), ist sehr beeindruckend.
Ausgezeichnete Arbeit kommt auch von Brendan O'Hea, John Dougall, Dickon Tyrell (ein meisterlicher Moment allein auf der Bühne, in dem er mit seinen Spielsachen spielt, sorgte für einen der grössten Lacher des Abends) und Paul Rider.
Claire Van Kampens Musik funktioniert sehr gut, und die Musiker werden ihr mehr als gerecht. Der abschliessende Ensemble-Tanz, choreografiert von Siân Williams, ist präzise und passend und sehr gut ausgeführt.
Zwei Momente der Inszenierung waren besonders bemerkenswert: die Szene in vollständiger Dunkelheit, in der der Herzog seiner Schwester das gibt, was sie für die amputierte Hand ihres Mannes hält, und die unheimliche Anordnung der Wachsfiguren-Doppelgänger von Ehemann und erstgeborenem Kind der Herzogin – komplett mit einem Wagen voller kleiner Kerzen, um den „Höhepunkt des Horrors“ maximal zu steigern. Grossartig.
Habe ich erwähnt, dass es wirklich lustig war? War es. Laut-lach-lustig. Und oft.
Historische Kostüme zu verwenden (Jonathan Fensom) war eine kluge Entscheidung und funktionierte in diesem Raum bestens. Hoffentlich wird das im Playhouse zur Norm.
Das ist der Beginn einer ganzen neuen Palette an Möglichkeiten für den Globe-Komplex – und eine wirklich unterhaltsame und verlockende.
Einen klassischen Text neu zu denken – gibt es etwas, das ein Regisseur sinnvollerweise besser tun kann als das? Bravo, Dominic Dromgoole.
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