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REZENSION: Der Gefangene, National Theatre ✭✭

Veröffentlicht am

19. September 2018

Von

sophieadnitt

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Sophie Adnitt rezensiert The Prisoner, derzeit am National Theatre, mit Text von Peter Brook und Marie-Hélène Estienne.

Hiran Abeysekera und Omar Silva in The Prisoner. Foto: Ryan Buchanan The Prisoner

Dorfman Theatre

Zwei Sterne

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Habe ich etwas verpasst?

Zumindest habe ich mich das gefragt, als ich die von Peter Brook inszenierte National-Theatre-Produktion von The Prisoner verliess. Zwar war der Applaus beim Schlussapplaus recht konstant (sogar ein paar Jubelrufe von den oberen Rängen), und seitdem habe ich einige Tweets gesehen, die die Inszenierung sehr loben – ich persönlich verliess das Theater jedoch vollkommen ratlos. Sie setzt sich definitiv die Krone als das verwirrendste Stück Theater auf, das ich dieses Jahr bisher gesehen habe: Nie ist man sich so recht sicher, was es eigentlich sein will oder ob es überhaupt eine bestimmte Aussage transportieren möchte.

Der titelgebende Gefangene ist Mavuso, solide gespielt und mit bewundernswerter Körperlichkeit von Hiran Abeysekera, der den Grossteil des Abends auf der Bühne steht. Mavuso begeht früh im Verlauf (und offstage) einen Mord und wird zur Strafe von seinem Onkel Ezekiel (Hervé Goffings) verbannt, um vor einem riesigen Wüstengefängnis zu sitzen. Und es anzustarren. Genau das tut er dann die nächsten zehn Jahre. Tag ein. Tag aus. Manchmal besuchen ihn Leute. Manchmal sprechen sie über Gerechtigkeit. Dann wiederum machen sie Witze über Prostituierte und trinken Gin.

Herve Goffings und Kalieaswari Srinivasan in The Prisoner. Foto: Ryan Buchanan

Die Handlung spielt in einer Umgebung, die unbestreitbar Wüste ist, und das minimalistische Bühnenbild schafft mit grosser Wirkung einen kargen, sonnenverbrannten, verlassenen Ort. Auch Sound wird sparsam, aber wirkungsvoll eingesetzt; ein besonderes Highlight ist der Moment, in dem Ezekiel mit dem jungen Mavuso durch einen Wald geht – der Rest des Ensembles imitiert Vogelrufe und andere Geräusche der Umgebung.

Die Erzählung ist in eine recht holprige Rahmenhandlung eingebettet: ein weisser, männlicher Reisender (Donald Sumpter), der eine Art Armuts-Tourismus betreibt. Immer wieder blenden wir zu Mavusos Schwester Nadia (Kalieaswari Srinivasan) zurück, deren Trauma und Missbrauch dramatisiert und dann mit erschreckend wenig Aufwand abgehakt wird.

Auch wirkt es ein wenig frech, dieses Stück mit Peter Brooks berühmter Regie zu vermarkten, wenn es doch eine der durch und durch einfallslosesten Inszenierungen ist, die ich seit Langem gesehen habe. Menschen kommen auf, Menschen gehen ab. Lange Strecken der Handlung werden mit Figuren gestaltet, die am Boden liegen oder sitzen – was bedeutet, dass sie für alle jenseits der zweiten Reihe unsichtbar sind. Irgendwann gibt das Publikum auf, überhaupt noch versuchen zu wollen, etwas zu sehen. Es spricht Bände, dass ein früher Moment, in dem Mavuso beginnt, an der Seite des Theaters hochzuklettern, ein visueller Höhepunkt ist – hätte man diese Sichtlinien-Probleme nicht spätestens in den Proben ansprechen müssen? Lange, gähnende Pausen töten das Tempo komplett, und an einer Stelle zieht sich eine Abfolge von Lichtstimmungen, die das Vergehen der Tage markieren soll, in einer Länge hin, die kaum noch als Absicht durchgeht. Omar Silva, der sowohl einen Wächter als auch einen Einheimischen spielt, bringt dringend benötigte Energie ins Geschehen, wenn er auftaucht – leider bleibt er einfach nicht lange genug auf der Bühne.

Donald Sumpter, Omar Silva und Hiran Abe Ysekera in The Prisoner. Foto: Ryan Buchanan.

Der Text, gemeinsam verfasst von Brook und seiner Co-Regisseurin Marie-Hélène Estienne, mäandert derart ziellos vor sich hin, gespickt mit „vergeben und vergessen“-Klischees, dass er sich irgendwann wie eine Strafe anfühlt – so endlos wie Mavusos eigene. Zum Glück ist ein wenig Humor eingestreut, nicht zuletzt, als Mavuso gesagt wird, dass nach zehn Jahren Verbannung seine Strafe nun endlich beginnen könne.

„Jetzt?!“, fragt er ungläubig, „was habe ich denn dann die ganze Zeit hier gemacht?“ Genau meine Gedanken.

Unverzeihlich langweilig und peinlich kraftlos ist The Prisoner eine grosse Enttäuschung – und das aus der Feder einer Theaterlegende.

Bis 4. November 2018

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