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REZENSION: The Unbuilt City, King's Head Pub Theatre ✭✭
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Von
julianeaves
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Julian Eaves bespricht Keith Bunins The Unbuilt City, derzeit im King’s Head Pub Theatre zu sehen.
Jonathan Chambers und Sandra Dickinson in The Unbuilt City. Foto: PND Photography The Unbuilt City
King’s Head Pub Theatre,
8. Juni 2018
2 Sterne
Stellen Sie sich Ayn Rands „The Fountainhead“ vor – umgeschrieben im Stil eines nicht sonderlich ausgearbeiteten, handwerklich eher holprigen Erstentwurfs eines Einakters von Tennessee Williams – und Sie haben eine ziemlich gute Vorstellung davon, worum es in diesem Abend geht. Im Zentrum steht die schöne, kraftvolle Leistung von Sandra Dickinson, die in durchgehend 80 Minuten Spielzeit eine Meisterklasse in Schauspielkunst gibt: von der ersten Sekunde an auf der Bühne, sie geht nie ab. Es gibt keinen faden oder vergeudeten Moment in ihrem außergewöhnlichen Bravourstück als Claudia, Erbin eines architektonischen Vermächtnisses, das Jonathan Chambers’ behaglicher Akademiker Jonah ihr abzuluchsen versucht. Chambers ist Mitproduzent dieses Zwei-Personen-Stücks, und an purem Mut ist ihm nichts vorzuwerfen, sich – fast eineinhalb Stunden lang – an die Seite einer der erfahrensten Schauspielerinnen des Landes zu stellen. Es bleibt jedoch ein sehr ungleiches Paar, und Dickinson ist durchweg der Hauptfokus unseres Interesses.
Vielleicht ist das genau so von Autor Keith Bunin gewollt? Er hat viel – sehr viel – seiner eigenen Biografie in den Dialogseiten verstreut, bis hin zu den Wurzeln des akademischen Funktionärs in Poughkeepsie, NY. Es wirkt, als habe er den Rat „Schreib, was du kennst“ gehört und dann wörtlich genommen: Seite um Seite bekommen wir Abschweifungen und Umwege durch verschiedenste Nebenpfade seines Lebens und seiner Zeit; doch sie scheinen eher dazu da zu sein, Spielzeit zu füllen, als irgendein dramatisches Argument weiterzutreiben. Umgekehrt bleibt die Figur der Claudia – trotz Dickinsons aller, allergrößter Anstrengungen – ziemlich undurchsichtig und ohne klaren Kern. Möglicherweise wäre der Text als Novelle befriedigender als als Theaterstück: Denn wo sind Drama, Handlung, Motiv in ihrem Leben? Mehrere konkurrierende Antriebe scheinen am Werk zu sein, die fast nach Belieben ein- und ausgeschaltet werden, was dem Stück jedes Gefühl von Form oder Ziel nimmt – und ihre Figur, bei all dem Text, den sie sprechen darf, letztlich unbeleuchtet und fern bleiben lässt.
Jonathan Chambers und Sandra Dickinson in The Unbuilt City. Foto: PND Photography
Abgesehen vom stetigen Whiskey-Nippen gibt es nur eine einzige theatralische Aktion: Auf der Bühne steht ein Schrank, und – ja – irgendwann wird tatsächlich etwas daraus herausgenommen, zur echten Überraschung von niemandem. Das macht das Stück erschreckend statisch. Das Gefühl, nirgendwohin zu können, mag bei Beckett verführerisch angespannt sein, aber in einem naturalistischen Stück wie diesem wirkt es kaum mehr als frustrierend und irritierend. Daneben gibt es Geplauder. Endloses Geschwätz. Regisseurin Glen Walford hält ihre beiden Darsteller praktisch die gesamte Dauer der Vorstellung über sehr dicht beieinander, besonders zu Beginn (wo es merkwürdigerweise den größten Abstand zwischen ihnen zu geben scheint); und wenn sie nicht kumpelhaft zusammen herumstehen, beginnen sie mit eigentümlichen Ansprachen ans Publikum durch eine nie wirklich klar etablierte vierte Wand. Warum? Sollen wir in ihr Leben hineingezogen werden? Wenn ja, wie? Für mich blieb das rätselhaft.
Claudias Haus ist, wie uns sorgfältig versichert wird, berühmt-berüchtigt kühl. Aber wir zweifeln. Erin Greens Gestaltung – ein breiter Schwung weicher, rostfarbener Vorhangfalten im Hintergrund, dazu ein Teppich mit gewebten Arabesken auf sattem Rot, ein Sessel mit einem großen, quadratischen Terrakotta-Kissen und ein Stück eines warm glitzernden, vergoldeten Bilderrahmens als Andeutung eines Fensters – und Tim Deilings goldenes Licht rufen ALLE geradezu ohrenbetäubend das genaue Gegenteil aus. Und dann ist da die intime Nähe der beiden Figuren. Wieder: warum? Ich hatte keine Ahnung. Kuschelten sie sich aneinander, um sich zu wärmen? Glaubhaft wirkte das kaum.
Und das ist vielleicht das größte Problem dieses Textes. Glaubwürdigkeit. Bei aller „Herz auf der Zunge“-Ernsthaftigkeit – und im Premierenpublikum drängten sich Freunde und Verwandte, die die liebevolle Sentimentalität, die sich durch diesen Abend zieht, gern würdigen wollten – gelang es dieser Produktion für mich nie, eine glaubhafte Situation oder Figuren zu schaffen, die ich ernst nehmen würde. Ja, sie schenkt Ms Dickinson eine weitere große Rolle – zuletzt war sie in einem weiteren Mammutunternehmen in der titelgebenden Frauenrolle von „I Loved Lucy“ zu sehen – und das ist großartig (oder wird es sein, sobald sie alle Textstellen wirklich sitzt), aber wie bei jenem anderen Stück gibt es ihr kein gutes Stück an die Hand.
Dickinson arbeitet hart und hat dem Publikum große Fähigkeiten zu bieten. Sie verdient wirklich bessere Texte.
Bis 30. Juni 2018
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