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KRITIK: Der Besuch, National Theatre London ✭✭✭

Veröffentlicht am

Von

pauldavies

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Paul T Davies bespricht Tony Kushners Adaption von Dürrenmatts Stück Der Besuch der alten Dame, derzeit am National Theatre in London zu sehen.

Lesley Manville und das Ensemble von Der Besuch der alten Dame. Foto: Johan Persson Der Besuch der alten Dame

National Theatre

13. Februar 2020

3 Sterne

Karten buchen Tony Kushner ist ein Dramatiker, der nicht gerade für Kürze bekannt ist – dessen sind wir Fans von Angels in America uns nur zu bewusst. Große Ideen, große Themen: Er liebt die Debatte, und seine Adaption von Dürrenmatts Der Besuch der alten Dame ist seit den Voraufführungen zwar um dreißig Minuten gekürzt worden, bringt aber immer noch stolze drei Stunden vierzig auf die Uhr. Als Claire Zachanassian – die alte Dame, die zu Besuch kommt – in ihre Heimatstadt Slurry zurückkehrt, ist sie die reichste Frau der Welt und bietet den verarmten Bürgern eine Milliarde Dollar, wenn sie eine Bitte erfüllen. Sie sollen ihren Jugendliebhaber Alfred Ill töten: Er hat sie geschwängert, die Vaterschaft abgestritten, seine Freunde bestochen, damit sie behaupten, sie sei promiskuitiv – was dazu führte, dass sie die Stadt mittellos, gemieden und ausgestoßen verlassen musste. Rache ist süß – ebenso wie Geld und ein bequemes Leben.

Lesley Manville. Foto: Johann Persson

Die gute Nachricht: Lesley Manville spielt die Hauptrolle und kanalisiert hier Filmheldinnen und betrogene Frauen der 1950er-Jahre – mit sichtlichem Vergnügen an künstlichen Gliedmaßen und ein paar herrlich schlagfertigen One-Linern. Mit der blonden Perücke und ihrer Sprechweise hat das mehr als einen Hauch von Baby Jane, und es gibt sogar eine Anspielung auf Bette Davis in Now, Voyager. Claire reist mit einem Gefolge an, darunter ein Panther, und Manville ist in der ersten Hälfte großartig – herrlich camp und dabei höchst präzise darin, ihre Liebe zu Alfred zu zeigen und wie sehr sie ihr Leben beherrscht und gezeichnet hat, je weiter der Abend voranschreitet. Hugo Weaving ist als Alfred ebenso stark: Er muss sich nicht nur dem Horror stellen, als Gezeichneter zu gelten, sondern auch den Konsequenzen seines Handelns. Nicholas Woodeson liefert als Bürgermeister einen großartigen Auftritt – er verkauft Alfred für die Rettung seiner Stadt sprichwörtlich über den Tisch. Und Sara Kestelman glänzt als Principal Covington, der moralische Kompass des Stücks – selbst wenn sie vom Wodka schon ziemlich angeschlagen ist.

Hugo Weaving und das Ensemble. Foto: Johan Persson

Trotzdem ist das Stück eine zähe Angelegenheit – und deutlich mehr Kürzen würde ihm enorm guttun. Der blinde Vaudeville-Doppelact ist unerquicklich und kann sofort gestrichen werden, und es gibt im dritten Akt ein Liebesduett, das völlig überflüssig ist; außerdem wiederholt Kushner sich oft. Wie bei Teil zwei von Angels in America wird, sobald das Stück auf das zusteuern sollte, was ein Höhepunkt sein müsste, das Drama zugunsten von Diskussionen beiseitegeschoben – vieles davon interessant, vieles aber bereits gesagt. Nach einem sehr guten ersten Akt entgleist das Stück – trotz großartiger Zug-Action durch Bühnenbild und Crew – und Regisseur Jeremy Herrin ringt damit, das ausschweifende Skript zu bändigen. Eine postindustrielle amerikanische Stadt am Boden erinnerte an Nottages hervorragendes Stück Sweat; und gleich die Straße hinauf im Young Vic zeigt Stef Smiths Nora in flinken 1 Stunde 45, wie Schulden Menschen eben nicht befreien.

Das National Theatre hat für diese Produktion alles aufgefahren – doch kein noch so gutes Spiel, Live-Jazz während der Übergänge und die Wucht der Olivier-Bühnencrew können das klaffende Kernproblem ausgleichen: Claire sagt etwa zwanzig Minuten nach Beginn, was passieren wird, und rund drei Stunden zwanzig später sehen wir genau das! Keine Überraschungen, keine Wendungen – und ich konnte mich des Gedankens nicht erwehren, dass man zum selben Ergebnis auch etwas schneller hätte kommen können.

Bis 13. Mai 2020.

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