NACHRICHTEN
KRITIK: Was ihr wollt, Space Theatre ✭✭✭
Veröffentlicht am
24. Juli 2015
Von
danielcolemancooke
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Was ihr wollt 23. Juli
Space Theatre
3 Sterne
Die Pell Mell Theatre Company hat sich einen Ruf dafür erarbeitet, alte Klassiker in radikalen, lebendigen Inszenierungen auf die Bühne zu bringen. Umso gespannter war ich, was sie aus Was ihr wollt machen würden – einem meiner liebsten Shakespeare-Stücke und einer Geschichte, die fest im kollektiven Bewusstsein verankert ist.
Ein Stück, das eigentlich keiner Einführung bedarf (aber hier kommt sie trotzdem): Die junge Viola wird auf See von ihrem Bruder Sebastian getrennt und verkleidet sich als Mann, um in den Dienst des Herzogs zu treten, der sie gerettet hat. Die wohlhabende Gräfin Olivia verliebt sich in Viola, während Viola selbst vom Herzog umworben wird.
Von Anfang an ist klar: Das wird eine Inszenierung mit dem gewissen Unterschied. Die ersten drei Minuten sind eine fesselnde Explosion aus Tanz und Pantomime – ganz ohne ein gesprochenes Wort. Dieses anarchische Grundgefühl zieht sich durch den ganzen Abend; und auch wenn es nicht immer aufgeht, steckt darin so viel Originalität und Einfallsreichtum, dass man nie ganz sicher ist, was als Nächstes passiert.
Die Kostüme von Giulia Scrimieri sind eine wahre Freude und ein Fest fürs Auge: knallige, clowneske Farben und herrlich schräge Details. Selbst Lucy Laings wunderschöne Olivia hat etwas von der Corpse Bride, während Tobys Truppe von Unruhestiftern geschniegelt dasteht – wie eine königliche Familie aus einem Kartenspiel.
Die körperliche Arbeit ist fantastisch, und einige der komischen Höhepunkte des Abends (die Trickser, die sich hinter den Büschen verstecken, und Antonios „gelbes Strumpfband“-Szene) bekamen durch kluges Blocking und starke Physical Comedy neues Leben eingehaucht. Nur an einer Stelle wirkten die überzeichneten Bewegungen ablenkend – als ein Teil des Ensembles im Hintergrund der einführenden Szene ein bisschen Gymnastik betrieb.
Die manische Energie der Produktion sorgte zwar für einige glänzende Kostüm- und Bühnenideen, führte aber auch stellenweise zu etwas Overacting. Ein gutes Beispiel dafür ist Lawrence Boothmans dämonischer, grotesker Feste. Da ohnehin fast das ganze Ensemble gewissermassen „clownesk“ spielte (schliesslich war es eine zirkus-inspirierte Inszenierung), blieb Feste kaum etwas anderes übrig, als in Richtung eines geradezu durchgedrehten Hyper-Clowns zu gehen. Boothmans natürlicher Charme, seine Ausstrahlung und seine hervorragende Gesangsstimme tragen das meist; in seinen besten Momenten erinnerte er mich an Alan Cummings Conférencier in Cabaret. Trotzdem hatte es bisweilen etwas von „zu viel des Guten“ – besonders bei der Vernehmung Malvolios im Stil eines amerikanischen Gameshow-Moderators, einer Idee, die nicht ganz ins Schwarze traf.
Insgesamt war es eine brillante Teamleistung eines sehr talentierten Ensembles: Ella Garlands Viola ist sympathisch und liebenswert und hat eine fantastische Chemie mit Lucy Laings Olivia. Andrew Seddon ist als Malvolio ebenfalls angemessen bemitleidenswert, wird aber nicht ganz verächtlich genug gespielt, sodass man sein verdientes „Comeuppance“ nicht voll auskostet.
Caroline Short liefert als still intrigierende Maria einen starken Auftritt, und Angus Howards Sir Andrew ist durchgehend dosiert und komisch. Und auch Tobys fröhliche Bande von Streichespielern verdient eine Erwähnung – ihre Gesichtsausdrücke und ihr lauernder Sinn fürs Dramatische ziehen wirklich den Blick auf sich und machen aus potenziell kleineren Rollen etwas Besonderes.
Jenny Gamble dürfte für das Bühnenbild kein riesiges Budget gehabt haben, doch das Ergebnis ist zugleich klug und kreativ. Der raffinierte Einsatz eines improvisierten Boxrings und prägnante Projektionen auf den weissen Vorhang der Bühne hauchten der zweiten Hälfte Leben ein. Ausserdem schienen neue musikalische Ergänzungen von Komponist Adrian York im Text zu stecken – und sie passten so stimmig zur Epoche, dass ich kaum sagen könnte, was genau von ihm stammt! Auch die Tanzsequenz am Ende machte grossen Spass und liess den Abend mit einem Knall statt einem Wimmern ausklingen.
Bei einem bewährten Klassiker wie Was ihr wollt ist es gar nicht so häufig, dass man das Gefühl hat, wirklich etwas Neues gesehen zu haben. Zum Guten wie zum Schlechten (meist zum Guten) hat Pell Mell kreativ tief gegraben und eine lebhafte, energiegeladene Produktion auf die Beine gestellt – eine, die man am Globe so schnell sicher nicht zu sehen bekommt.
Was ihr wollt läuft im Space Theatre bis zum 12. August 2015
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