NACHRICHTEN
BEWERTUNG: Wonderland, Hampstead Theatre ✭✭
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Von
stephencollins
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Wonderland am Hampstead Theatre. Foto ©Alastair Muir Wonderland
Hampstead Theatre
23. Juni 2014
2 Sterne Im Programmheft zu Beth Steels Wonderland, derzeit am Hampstead Theatre, schreibt Edward Hall, der künstlerische Leiter der Compagnie und Regisseur der Produktion:
„Die Ereignisse von 1984, die den Ausgangspunkt für Beths Geschichte bilden (der von Scargill geführte Bergarbeiterstreik), sind schwer zu durchschauen und führen unter Freunden schnell zu Streit. Ihr Stück vereinfacht nicht und vermeidet engen Polemik-Ton – stattdessen gibt es den ehrlichen Versuch, die Beweggründe aller zentralen Beteiligten zu verstehen, während ihr ‚Wonderland‘ dort unten im Kern der Sache bleibt … jetzt ist der richtige Zeitpunkt, ein Stück zu zeigen, das wir für wichtig halten – ein Stück, von dem ich hoffe, dass es im Publikum ebenso viele Diskussionen auslöst wie im Probenraum.“
Für diese Leistung sollte Hall einen Ehrendoktor in PR-Gewäsch bekommen.
Erstens: Das Stück vereinfacht jeden Aspekt seiner Themen – von der Vorstellung von Kumpelhaftigkeit unter Tage über die Idee gewerkschaftlicher Solidarität und Daseinsberechtigung bis hin zu den Gründen, warum die Regierung die Gewerkschaft zerschlagen wollte, und den politischen Ränkespielen innerhalb der Konservativen Partei. Steels Zugriff lässt Oberflächlichkeit wie ein Konzept wirken, dem sie mit Inbrunst anhängt.
Der Text ist unerquicklich und ohne Feuer oder Herz. Ein kalter, dummer und zielloser Gang durch Klischeesituationen und Pappkameraden.
Zweitens: Es umarmt die engstirnige Polemik, statt sie zu vermeiden. Die bösartigen, skrupellosen Architekten der Handlung dozieren über ihre Ideale; die kernigen, tapferen und einfachen Bergleute reden und schuften, rennen endlos durch feuchte Korridore der Tradition; der weise alte Gewerkschafter wittert Verrat; der junge Vater stellt seine Familie über die Kollegen. Alles so unfassbar vorhersehbar und abgedroschen. Nicht ein Gramm Einsicht wurde in diesen Theater-Pfannkuchen geschlagen.
Drittens: Es gibt nicht einmal den ernsthaften Versuch, irgendeine Perspektive zu verstehen. Keine der Figuren bekommt genug zu tun, um interessant oder mitreißend zu werden – weder als Heiliger noch als Sünder. Die skizzenhaften Gestalten brüllen oder fletschen lediglich ihre Phrasen und Prioritäten, ohne jedes Gespür für Menschlichkeit oder Realität.
Brassed Off und Billy Elliot haben ähnliches Terrain mit Witz und Stil beackert. Steels Skript fehlt beides.
Viertens: Nach dem, was man an Gesprächen im Publikum hörte, beschränken sich die angestoßenen Diskussionen auf drei Themen: Was soll dieses Bühnenbild bedeuten? Warum ist es so finster ausgeleuchtet? Wissen die nicht, dass wir uns um jemanden kümmern müssen, um nach der Pause wiederkommen zu wollen?
Ashley Martin-Davis, der Ausstatter, hat eine beeindruckende Stahlkonstruktion gebaut, die das Gefühl nachbilden soll, in einer Zeche zu sein. Es gibt keinen Dreck, keinen Boden – nur Metall, auch wenn einige herabhängende weiße Säcke wie mit Kies gefüllt wirkten, bereit für den unvermeidlichen Einsturz. Es gibt einen Stahlkorb, der rauf- und runterfährt, um etwas vom täglichen Trott der Bergleute zu vermitteln, und obere Laufstege. Aber es ist alles Metall: laut und hart. Es transportiert nicht die klamme, düstere Enge, die Bergwerke haben; es wirkt eher wie der Laderaum eines Borg-Raumschiffs als wie ein englisches Bergwerk unter Tage.
Und es taugt kaum dazu, andere Spielorte zuzulassen. Treffen hochtrabender Konservativer finden auf derselben Bühne statt – ein kleiner Tisch und eine Whisky-Karaffe sollen die Insignien der Macht markieren.
Keine Frage: Das Bühnenbild ist eine Leistung. Aber es hilft in keiner Weise, das Stück zum Funktionieren zu bringen.
Peter Mumfords Licht ist derart erstaunlich schlecht, dass es eine bewusste Entscheidung von Regie und Ausstattung gewesen sein muss. Man kann die Gesichter, Augen oder Ausdrücke der Bergleute, auf deren Schultern der Großteil der Handlung liegt, schlicht nicht sehen. Wofür man keine Sicht hat, kann man auch keine echte Empathie entwickeln. In nahezu schwarzer Loch-Finsternis zu arbeiten, mag für Momente wirken – als Dauerzustand ist es unerträglich.
So unerquicklich sind Gestaltung und Licht, dass es praktisch unmöglich ist, sich ein fundiertes Urteil über die schauspielerischen Leistungen zu bilden. Man kann die Darsteller kaum auseinanderhalten – so dicht sind die Dunkelheit und das Make-up, das Schlamm und Schmutz simulieren soll.
Die Verantwortung liegt bei Hall. Das ist in jeder Hinsicht ein kraftloser Versuch – so weit entfernt von dem Triumph seiner Chariots of Fire-Inszenierung, wie man es sich nur vorstellen kann. Unablässig einfallslos und verzweifelt langweilig. Und das Ensemble schreit ununterbrochen.
Es gibt Passagen, in denen die Männer unverständliche Texte zu albernen Beinahe-Melodien skandieren/ singen. Warum, bleibt völlig schleierhaft.
Der erste Akt endet – unerklärlicherweise – mit einer merkwürdigen Szene, in der die Bergleute, die unerwartet und ohne Abstimmung in den Streik geführt wurden und nun vor der Aussicht auf kein Einkommen und dem Überschreiten der Streikposten stehen, sich ebenfalls unerklärlicherweise ausziehen und einander die Rücken schrubben, den Dreck abduschen. „Gratuitous“ trifft es noch nicht einmal annähernd.
Wonderland ist der Titel – und wundern ist genau das, was man tut, wenn man auf die Straße hinaus hastet. Man wundert sich, was Hall sich dabei gedacht hat.
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