Seit 1999

Vertraute Nachrichten & Rezensionen

26

Jahre

Das Beste des britischen Theaters

Offizielle Eintrittskarten

Wählen Sie Ihre Plätze

Seit 1999

Vertraute Nachrichten & Rezensionen

26

Jahre

Das Beste des britischen Theaters

Offizielle Eintrittskarten

Wählen Sie Ihre Plätze

  • Seit 1999

    Vertrauenswürdige Nachrichten & Rezensionen

  • 26

    Jahre

    Das Beste des britischen Theaters

  • Offizielle Eintrittskarten

  • Wählen Sie Ihre Plätze

KRITIK: Oslo, National Theatre ✭✭✭✭✭

Veröffentlicht am

Von

markludmon

Share

Das Ensemble von Oslo. Foto: Brinkhoff Mögenburg Oslo

Lyttelton, National Theatre

16. September 2017

Fünf Sterne

Karten buchen

Während der Konflikt im Nahen Osten angesichts scheinbar unüberbrückbarer Differenzen weiter andauert, bringt der Tony-prämierte Broadway-Hit Oslo in einer meisterhaften Inszenierung eine hochaktuelle Botschaft der Hoffnung nach London. Das Stück erzählt die wahre Geschichte, wie ein norwegisches Paar – die Mitarbeiterin des Aussenministeriums Mona Juul und ihr Mann, der Soziologe Terje Rød-Larsen – 1992 geheime Friedensgespräche zwischen der Palästinensischen Befreiungsorganisation und Israel in die Wege leitete.

Lydia Leonard (Mona Juul) und Toby Stephens (Terje Rød-Larsen)

Dieses gewichtige Thema voller verschlungener Komplexität wird in JT Rogers’ Dramatisierung bestechend klar verdichtet: Verhandlung und Diplomatie werden zu packendem Theater. Entscheidend für den Erfolg der Gespräche war Rød-Larsens ausgesprochen persönlicher Ansatz, der – wie Terje früh betont – „nicht im Organisatorischen, sondern im Persönlichen“ wurzelt. Ebenso rückt das Stück den menschlichen Faktor in den Vordergrund und zeigt, wie die einzigartigen Persönlichkeiten und Lebensgeschichten der Verhandelnden den Prozess prägten.

Peter Polycarpou (Qurie), Thomas Arnold (Pundack), Nabil Elouahabi (Asfour), Paul Herzberg (Hirschfeld).

Als palästinensischer Finanzminister Ahmed Qurie bringt Peter Polycarpou einen onkelhaften Charme mit, der einen scharfen Verstand und eine kaum verhohlene Wut über Israels Umgang mit seinem Volk überdeckt. Auf der anderen Seite ist Philip Ardittis Uri Savir, Generaldirektor im israelischen Aussenministerium, eine beeindruckende Erscheinung – mit einem herrlich schwarzen Humor und einer Liebe zur Theatralik. Sie sind Teil eines makellosen Ensembles: Jacob Krichefski als Yossi Beilin, der mutige stellvertretende israelische Aussenminister, der die geheimen Gespräche anstiess; Nabil Elouahabi als hardliner PLO-Funktionär Hassan Asfour; sowie Paul Herzberg und Thomas Arnold als die beiden israelischen Professoren, die mit anpacken, um die Friedensgespräche überhaupt in Gang zu bringen. Das Stück macht deutlich, dass es trotz diametraler Gegensätze in Politik, Religion und territorialen Ansprüchen gemeinsame Schnittmengen gibt – in der Hingabe zur Familie, in der Erschöpfung über den endlosen Kreislauf aus Gewalt und Tod, ebenso wie in der gemeinsamen Vorliebe für Johnnie-Walker-Whisky und norwegische Waffeln.

Das Ensemble von Oslo

Zugleich erkundet das Stück, was Menschen wie Juul und Rød-Larsen – Bürger eines Landes mit kaum mehr als fünf Millionen Einwohnern – dazu bewegt, ihren Lebensunterhalt und ihren Ruf zu riskieren, um zwei verfeindete Nationen in Richtung Frieden zu lotsen. Lydia Leonard und Toby Stephens sind beide ausgezeichnet und helfen uns mit feinen Nuancen zu verstehen, wie tief ihre Überzeugung sitzt, dass sie – obwohl nur zwei Einzelne – etwas tun können, um „die Welt zu verändern“. Wie bei den anderen Figuren sehen wir, wie entscheidend ihre Eigenarten hinter den Kulissen waren: Monas ruhige Kontrolle ergänzt Terjes riskanteren, kühneren Ansatz.

Peter Polycarpou (Ahmed Qurie) und Philip Arditti (Uri Savir).

Mit kluger Nutzung der gesamten Lyttelton-Bühne spielt Oslo in einem kargen Bühnenbild von Michael Yeargan – kaum mehr als eine verstreute Auswahl nüchterner Konferenzraum-Möbel vor einer leeren Fläche, die Lichtdesigner Donald Holder mit Projektionen von 59 Productions wirkungsvoll belebt. Unter der Regie von Bartlett Sher verfliegen die drei Stunden inklusive Pause, nahezu ohne Leerlauf. Es ist eine Achterbahnfahrt: Momente grosser Heiterkeit kippen plötzlich in Hochspannung, durchsetzt von zutiefst bewegenden Erinnerungen an die Schrecken und die Traurigkeit hinter den Gesprächen. Auch wenn Frieden in der Region in weiter Ferne scheint, erinnert uns das Stück an die kleinen Schritte, die durch die Oslo-Abkommen gemacht wurden – und schenkt Hoffnung, dass sich selbst dann, wenn Differenzen unüberwindbar wirken, eine Einigung finden lässt, wenn genug Menschen die notwendigen Risiken eingehen.

Am National Theatre bis zum 23. September, danach im Harold Pinter Theatre in London vom 2. Oktober bis 30. Dezember.

OSLO-TICKETS IM HAROLD PINTER THEATRE

Fotos: Brinkhoff Mögenburg

Diesen Artikel teilen:

Diesen Artikel teilen:

Erhalten Sie das Beste des britischen Theaters direkt in Ihr Postfach

Seien Sie die Ersten, die sich die besten Tickets, exklusive Angebote und die neuesten Nachrichten aus dem West End sichern.

Sie können sich jederzeit abmelden. Datenschutzrichtlinie

FOLGEN SIE UNS