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REZENSION: Rückkehr zum Verbotenen Planeten, UK-Tour ✭✭✭

Veröffentlicht am

Von

stephencollins

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Mark Newnham (Mitte) und das Ensemble von Return To The Forbidden Planet. Foto: Nobby Clark Return To The Forbidden Planet

New Wimbledon Theatre

24. März 2015

3 Sterne

Wie gross sind die Chancen, dass zwei der Musicals, die vor 25 Jahren um den Olivier Award für das Beste Musical konkurrierten, 2015 beide nennenswerte professionelle Wiederaufnahmen erleben? Gering – vielleicht verschwindend gering. Die Nominierten 1990 waren Miss Saigon, The Baker's Wife, Buddy und Return To The Forbidden Planet. Es war ein eigenartiges Jahr für die Olivier Awards, denn in dieser Spielzeit wurden in einer einzigen Zeremonie Produktionen aus sowohl 1989 als auch 1990 ausgezeichnet. Miss Saigon gewann nicht. Mit dem Abstand der Jahre wirkt dieses Ergebnis heute überraschender, als es damals vielleicht schien.

Derzeit gastiert am New Wimbledon Theatre im Rahmen der UK-Tour die 25-jähriges-Jubiläum-Wiederaufnahme von Bob Carltons Return To The Forbidden Planet, entstanden am Queen's Theatre, Hornchurch. Der Autor/Regisseur beschreibt das Stück als „eine alchemistische Kombination aus der Sprache Shakespeares, der Persiflage auf Science-Fiction der 1950er … (und) … einem guten alten, mitwippenden Rock’n’Roll-Soundtrack“. Ob nun gerade diese einzigartige – und eigentlich unwahrscheinliche – Mischung die Olivier-Erfolge 1990 befeuerte, oder die damals noch recht neue Idee, dass Schauspieler*innen auf der Bühne live Instrumente spielen, singen und spielen, oder schlicht die phänomenale Energie und Ausgelassenheit der Originalproduktion, lässt sich heute nicht mehr mit Sicherheit sagen.

Sicher ist jedoch: Die aktuelle Tourneeproduktion ist kein Revival im Sinne der Miss Saigon-Produktion, die derzeit am Prince Edward Theatre zu sehen ist; eher handelt es sich um eine Neuauflage des Originals. Zumindest wirkt es so. Es scheint nichts Wesentliches aktualisiert oder neu gedacht worden zu sein – und falls doch, wird darauf kein besonderer Fokus gelegt.

Stattdessen herrscht im Zuschauerraum ein Gefühl behaglicher Vertrautheit. Es ist eine komplett alberne Geschichte, samt albernen Kostümen, die Shakespeares Worte hemmungslos in einer schräg-nerdigen Sci-Fi-Manier verballhornt, während laut und mit voller Inbrunst Hitparaden-Songs herausgehauen werden. Je nach persönlicher Perspektive kann das himmlisch oder höllisch sein.

Der Shakespeare-Anteil ist bemerkenswert. Einerseits macht es Spass, Zitate oder Fehlzitate zu erkennen („To Beep or not to Beep“ ist ein Publikumsliebling); andererseits schenkt kaum jemand – nur sehr selten – der Schönheit und den Möglichkeiten dieser Sprache wirklich volle oder auch nur ansatzweise Aufmerksamkeit. Die Ausnahme ist Mark Newnham als Cookie. Newnham weiss, wie man die Farben in Shakespeares Vers und Prosa nutzt, und scheut sich nicht, saubere Technik einzusetzen – selbst in den offen absurden Übertreibungen dieser Parodie. Wenn Newnham richtig in Fahrt kommt, sieht man klar, welchen Höhepunkt die Show mühelos erreichen könnte, wenn seine Kolleg*innen ebenso bewandert (sozusagen) in den Künsten des Barden wären.

Die Science-Fiction- Albernheit bietet enormes Spasspotenzial. Die Monster, denen man unterwegs begegnet, zollen ihrerseits Doctor Who Tribut (Anklänge an die Tom-Baker-Geschichten The Invisible Enemy und The Power Of Kroll sind deutlich und ziemlich witzig), ebenso wie die Publikumsbeteiligung rund um das Konzept des „Umpolens der Polarität“. Das dürfte noch komischer gewesen sein, als die Show erstmals herauskam und die Erinnerung an Jon Pertwees Doctor noch frisch und liebevoll war.

Die Kostüme beschwören eine ganze Reihe von B-Movie-Sci-Fi-Filmen und Fernsehserien herauf und hüllen das Geschehen fest in Nostalgie – in die Idee einfacherer Zeiten. Soundeffekte und Waffen sind putzig und funktionieren deshalb in diesem Kontext hervorragend. Der robotische Ariel wirkt wie eine Kreuzung aus einem altmodischen Cyberman, dem Crush-Kill-Destroy-Androiden aus Lost In Space und einer Ken-Puppe im Raumanzug; wieder: putzig, aber grosser Spass.

Doch bei Weitem die eigentliche Kraft – um eine andere Sci-Fi-Anspielung zu bemühen – liegt in der Musikauswahl, die das, was als Handlung durchgeht, markiert oder vorantreibt. Es ist eine Jukebox voller Hits, Hit auf Hit: nur einige davon sind Great Balls of Fire, Don't Let Me Be Misunderstood, Good Vibrations, Young Girl, She's Not There, All Shook Up, Shake Rattle and Roll, Monster Mash und I Heard It Through The Grapevine. Es hat unbestreitbar etwas Beglückendes, wenn solche Riesenhits live gespielt und gesungen werden; dieses Mitwipp-Gefühl ist fast unwiderstehlich.

Aber hier liegt der Haken. Seit Return To The Forbidden Planet damals die Messlatte dafür höher legte, wie Schauspielmusiker*innen Bühnenaufführungen beleben können, ist Zeit vergangen. Erst letzte Woche stand in diesem Haus Calamity Jane auf dem Spielplan – mit einer Truppe begabter Schauspielmusiker*innen, die präzises Spiel, lebhafte Choreografien und guten Gesang mit instrumentaler Versiertheit verband. Verglichen mit dem, was das zeitgenössische Theater heute von Darsteller*innen erwartet, gehört das Ensemble dieser Produktion – von ein, zwei Ausnahmen abgesehen – sehr klar zur Fraktion „hinstellen und abliefern“.

Das Spiel braucht mehr Energie, interessantere Choreografie und ein Gefühl dynamischer Wechselwirkung zwischen Instrument, Text und Darstellung. Wieder ist Mark Newnham hier der Anführer – sein Cookie ist richtig aufgeladen, und er setzt seinen ganzen Körper ein, um die musikalischen und dramatischen Extreme seiner Figur auszudrücken. Seine Augen und sein ausdrucksstarkes Gesicht pressen ständig noch Wert aus dem Material heraus.

Viele der anderen bleiben in ihrem Zugriff auf den Stoff jedoch zu lauwarm. Sean Needhams Captain Tempest ist besonders leblos, obwohl das keineswegs nötig wäre, und sein Gesang ist fast schon tödlich trocken. Joseph Mann ist als Ariel eigen und interessant, und Sarah Scowen kanalisiert als Miranda mit Wirkung ihre intergalaktische Sandra Dee – aber beide, wie auch der Grossteil des Ensembles, könnten mehr fokussierte Energie gebrauchen; diese Rollen verlangen Überschwang und ein Commitment jenseits aller Skalen. Wie bei Cats ist das hier ein Alles-oder-nichts-Theaterabend – mittelmässige oder halbe Anstrengung reicht nicht. Es braucht jederzeit Vollgas.

Als der merkwürdige, leicht manische, aber sehr eigenartige Dr Prospero ist Jonathan Markwood eher ein milder Willy Wonka trifft H. G. Wells trifft Mr Hyde als alles andere. Sein seltsames, halb-viktorianisches Schausteller-Outfit passt überraschend gut in das Meer aus Space-Patrol-Silber, und Markwood versteht eindeutig, dass man „seltsam“ sein muss. Doch es ist eine halbgare Leistung – man spürt, dass in Markwoods Reichweite eine deutlich energiegeladenere, manischere, befriedigendere Interpretation wartet, die nur darauf wartet, entfesselt zu werden.

Queen’s Brian May sorgt als eine Art Erzähler/Chor für leichte Momente, und Steve Simmonds’ temperamentvoller Bootsmann Arras liefert ein paar flache Witze angenehm präzise ab. Und der Sound der Instrumente auf der Bühne ist erwartungsgemäss durchgedreht und laut – genau so, wie man es sich erhofft.

Vor allem zeigt diese Produktion von Return To The Forbidden Planet die wohl naheliegende Realität: Was diese Show wahrscheinlich braucht, ist ein neues, frisches Kreativteam, das bereit ist, das Stück noch einmal zu befragen und neue, belebende Wege zu finden, es zu elektrisieren. Wenn papierdünne Vorwände, um Mega-Hits aus den 50ern und 60ern herauszuhauen, genau dein Ding sind, dann ist das deine Show.

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