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KRITIK: Whistle Down The Wind, Union Theatre ✭✭✭

Veröffentlicht am

Von

stephencollins

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Whistle Down The Wind

Union Theatre

1. Februar 2015

3 Sterne

Nicht jede Geschichte wird gleich zum Stoff für mehr als ein Musical. Peter Pan, The Wild Party und Phantom of the Opera sind Beispiele, die einem sofort einfallen, aber es gibt zweifellos noch weitere. Was jedoch möglicherweise einzigartig ist: dass gleich mehrere Werke eines Komponisten wiederum zur Vorlage für gleich mehrere andere Kreativteams werden. Und genau das haben wir hier. Zunächst wurde Phantom of the Opera nach der Lloyd-Webber-Fassung mehrfach neu gedacht – am bekanntesten wohl von Maury Yeston und Arthur Kopit. Und nun läuft im Union Theatre die Londoner Profi-Premiere von Russell Labey und Richard Taylors Version von Whistle Down The Wind, basierend auf dem Buch von Mary Hayley Bell sowie dem erfolgreichen Film nach dieser Vorlage – auf dem wiederum auch das mässig erfolgreiche (und in mehreren Fassungen überarbeitete) Lloyd-Webber-Musical gleichen Namens beruht. Unter der klarsichtigen Regie von Sasha Regan und mit der wachen, versierten musikalischen Leitung des begabten David Griffiths ist diese Version von Whistle Down The Wind keine glitzernde Angelegenheit, sondern eine ehrliche, behutsame.

Die Handlung ist vertraut. Drei Geschwister finden einen Fremden in ihrer Scheune. Er ist verletzt, und sie halten ihn für Jesus Christus, der auf die Erde zurückgekehrt ist. Sie halten seine Anwesenheit vor den Erwachsenen geheim, obwohl sie wissen, dass diese in Sorge sind, weil ein Mörder frei herumläuft und gejagt wird. Sie sehen keinen Zusammenhang zwischen dem Mann, den die Erwachsenen suchen, und ihrem Jesus. Unweigerlich spricht sich das Geheimnis unter den anderen Kindern und ihren Freunden herum, und sie kommen alle, um den Fremden zu sehen und seine Gegenwart zu spüren. Sie alle glauben, er sei Christus.

Schliesslich erfährt der örtliche Raufbold von dem Geheimnis und verrät die Anwesenheit des Fremden den Erwachsenen, die kommen, um ihn aufzuspüren und der Gerechtigkeit zuzuführen. Doch die Kinder stellen sich ihnen in den Weg und verhindern den Zugang zum Fremden. Die Scheune, in der er sich versteckt hat, geht in Flammen auf. Als man die Überreste untersucht, findet sich keine Spur des Fremden – aber ein Geschenk bleibt für die Kinder zurück. Vielleicht auch für die Erwachsenen.

Der besondere Reiz des Stücks liegt in der Ambivalenz: Es bleibt unklar, ob der Fremde der von den Erwachsenen gesuchte Mörder ist. Und falls nicht: Wer ist er dann, und warum ist er verletzt, als die Kinder ihn finden? Könnte er tatsächlich Christus sein, der auf die Erde zurückgekehrt ist? Angesichts dessen, wie sehr er den Glauben der Kinder entfacht – spielt es überhaupt eine Rolle, wer er ist?

Es ist eine schlichte Geschichte über Überzeugung, Glauben und Liebe. Labey und Taylor verstehen das zum Glück vollkommen – und so sind Buch, Partitur und Texte weder effekthascherisch noch unpassend; vielmehr fügen sie sich zusammen und rufen die Einfachheit des Lebens in Lancashire in den 1950er-Jahren herauf: eine Zeit, in der die Möglichkeit eines Wunders noch greifbar war.

Die Geschichte wird knapp und mit echtem Gefühl erzählt. Szenen fliessen mühelos ineinander, nicht holprig, und der Sinn der Worte und Situationen erschafft sowohl die Zeitstimmung als auch das innewohnende, mehrdeutige Drama. In der Herangehensweise der Macher steckt eine Aufrichtigkeit, die bei dieser einfachen, staunenswerten Erzählung wohltuend ist.

Auch die Musik ist von dieser Ehrlichkeit geprägt: mit teils anspruchsvollen Harmonien und hübschen, einfachen Melodien, die einen nostalgischen Schimmer haben, ohne pastichartig oder fade zu wirken. Die Musik verstärkt die Stimmung fortwährend; die Songs treiben nicht immer die Handlung voran oder liefern neue Charaktereinsichten – manchmal sind es einfach Lieder, die Geschehenes oder Gesagtes unterstreichen oder einfärben. Diese Herangehensweise führt – vielleicht gegen die Intuition – dazu, dass die Musik zu einem integrierten und willkommenen Teil des Erzählens wird.

Ein weiterer kluger Zug der Partitur ist ihr ausgeprägter Kindheitsklang. Wenn die Kinder singen, klingt es wie Musik, die Kinder tatsächlich singen könnten. Wenn die Erwachsenen singen, werden die musikalischen Anforderungen deutlich grösser; mehr Komplexität zieht in die Partitur ein. In der klimaktischen Szene, in der die gläubigen Kinder den Erwachsenen trotzen und sie von dem Fremden in der Scheune fernhalten, ist die Hymne, die sie singen – Follow! Follow! Follow Him! – kraftvoll und mitreissend.

Regans sichere, ruhige Regie haucht dem Stück Charme und Wärme ein. Vom Moment an, in dem die drei Geschwister drei neugeborene Kätzchen vor dem Ertrinken retten, bis hin zur Erkundung der ausgebrannten Scheune und der Entdeckung des Geschenks des Fremden entfaltet sich die Geschichte aus der Perspektive eines Kindes; Regan lässt das Publikum fühlen, als gehöre es zu den Dorfkindern: beobachtend, beteiligt, engagiert – und schliesslich gebannt. Sie zieht einen in die Geschichte hinein und macht einen zum Mitwisser der sich entfaltenden Ereignisse – mit grosser Wirkung.

Die Besetzung folgt Regans Vision mit Hingabe und vermittelt sie geschlossen und überzeugend. Klugerweise setzt Regan keine echten Kinder für die Rollen der Dorfkinder ein; sie besetzt junge Erwachsene, die "kleiner" spielen. Das funktioniert auf allen Ebenen: ihre Darstellung der Kinder ist echt, nicht albern; ihr Gemeinschaftsgefühl ist so vollständig, dass ihre Rebellion glaubwürdig wirkt; und in jeder Darbietung sieht man sowohl das Kind als auch den Erwachsenen, der daraus werden wird – den Erwachsenen, der von diesen Ereignissen für immer geprägt ist.

Als die Geschwister Cathy, Nan und Charles sind Grace Osborn, Imelda Warren-Green und Alex James Ellison jeweils wunderbar natürlich, voller Charme und mit dem Hin und Her aus Neckereien und kleinen Streitereien des Grosswerdens. Ellison traf besonders gut das Wesen des kleinen Bruders, und die Schwesterlichkeit zwischen Osborn und Warren-Green war eine Freude. Zusammen mit Chris Colemans beeindruckendem, bodenständigem und liebevollem Dad und Kathryn Hamilton-Halls resoluter, pragmatischer Tante ist die zentrale Familie vollkommen glaubhaft, warm und witzig. Sie singen alle gut, doch Osborn und Ellison stechen besonders hervor.

Callum McArdle spielt den Fremden, den bärtigen, verletzten Mann, der nur als The Man bekannt ist. Er verfügt über eine grossartige Stimme und Präsenz und meistert mühelos die schauspielerischen Herausforderungen, die die Rolle bietet. Er ist zugleich verletztes Monster und verlorener Wundertäter; diese Dualität wird klug gezeichnet – nie deutlicher als in I Don’t Know What They’re Waiting To Hear und in dem Duett mit Osborn, Please, Jesus.

Joshua Lewindon gibt einen starken Dorf-Rowdy, zeigt aber seine Vielseitigkeit, wenn er zudem einen anderen Jungen spielt, der freundlich ist und dem Fremden seinen Pullover leiht. Harry Wright ist hervorragend als der bebrillte, musikalische Junge im Dorf, und Romero Clark zeigt eine beeindruckende Stimme sowie eine autoritäre Präsenz als der Polizist.

Der Rest des Ensembles ist durchweg gut (auch wenn Bryan Hodgsons affektierter Vikar gern etwas weniger Miss Prism vertragen könnte), und wenn alle gemeinsam singen, ist der Effekt tatsächlich enorm – musikalisch wie dramaturgisch.

Nik Corralls Ausstattung – Bühne wie Kostüme – funktioniert im kleinen Raum des Union sehr gut und vermittelt mehr als ausreichend ein stimmiges Gefühl von Zeit und Ort. Die finale Enthüllung des Geschenks und das Brennen der Scheune sind besonders gelungen, nicht zuletzt dank Tim Deilings stimmungsvoller Beleuchtung.

Es ist schön zu sehen, wie Regan im Union britische Musicals fördert – und erfrischend, ein neues Musical zu erleben, das Neuland betritt. Boyzone wird vielleicht nie einen Song aus dieser Partitur aufnehmen, aber das heisst nicht, dass diese Version Lloyd Webbers unterlegen wäre. Ist sie nicht. Sie ist ganz anders – und ihr Herz sitzt am rechten Fleck, und die Partitur verdient Aufmerksamkeit.

Sehr empfehlenswert – unbedingt Zeit dafür einplanen.

Whistle Down The Wind läuft im Union Theatre bis zum 21. Februar 2015

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