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REZENSION: Wie es euch gefällt, Shakespeare's Globe ✭✭✭

Veröffentlicht am

Von

stephencollins

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Wie es euch gefällt

Shakespeare’s Globe

25. Mai 2015

3 Sterne

Das Globe ist ein einzigartiger Theaterraum. Die Präsenz der Groundlings – jener gut gelaunten Zuschauerinnen und Zuschauer, die stehend mitten im Geschehen ausharren, zwischen den Darstellenden und dem Spiel – verändert alles. Sie sind da, um Spaß zu haben, selbst wenn die schwärzeste Tragödie gespielt wird. Der offene Raum, die frische Luft, die offenen Erwartungen der Groundlings verbinden sich zu einem Theatererlebnis, das es so nur hier gibt. Selbst im Open Air Theatre im Regent’s Park ist das Gefühl nicht dasselbe: Dort sitzt das Publikum und schaut zu; im Globe muss es manchmal zur Seite gedrängt werden, bekommt Spucke ab oder wird mit Wasser oder Blut oder was auch immer durchnässt – ihre bewegte Körperlichkeit ist Teil der Inszenierung. Man kann sie nicht, und man sollte sie nicht, ignorieren.

So vital und interessant dieser Raum ist und so sehr er der Regie echte Möglichkeiten für Einfallsreichtum im Arrangement bietet, bedeutet er fast immer drei Dinge: (a) sehr viel Gebrüll; (b) einen Mangel an Lyrik in der Textbehandlung; und (c) derbe Witze, Gags und Nummern, um die Groundlings zum Kichern zu bringen. Ob zum Guten oder Schlechten – und mit nur sehr seltenen Ausnahmen – genau das liefert ein Ticket fürs Globe.

Blanche McIntyres Wiederaufnahme von Wie es euch gefällt, die dort gerade läuft, ist keine Ausnahme. Sie nutzt jeden Trick, um Shakespeares Stück verständlich zu machen (ist es, sehr), pikant (ist es, sehr), mitreißend (ist es, fast immer) und witzig (ist es, oft). Es gibt Musik, Tanz, Cross-Dressing, den Kadaver eines Hirsches, lustvolles Gerangel, einen Stepptanz-Clown und einen cross-dressenden Gott der Ehe. Für die Groundlings gibt es reichlich zu genießen – samt ein paar „Ooohs“ und „Aaahs“.

Eitle Leute behaupten gern, „echte“ Schauspieler machten kein Musical. „Erzählen Sie das mal Judi Dench oder Jonathan Pryce“, ist meist meine Antwort – doch keine Frage: Es gibt Snobismus, besonders bei Gottes gefährlichster Kreatur: dem Casting Director. Mich fasziniert immer, dass solche Leute kein Problem damit haben, einen „echten“ Schauspieler in ein Musical zu besetzen, aber keinerlei Sinn dafür, dass ein Musical-Star ideal für eine Sprechrolle sein könnte. Wer so denkt, sollte ins Globe stürmen, um Daniel Crossleys Touchstone zu sehen – ein Clown so schlagfertig, beglückend und überraschend, wie man ihn sich nur wünschen kann.

Touchstone gilt oft als hoffnungslos unkomisch – und ist es auf der Bühne leider häufig auch. Aber nicht hier. McIntyre und Crossley schneidern den Zugriff neu, nähen ein paar prächtige, auffällige Stepptanz-Nummern hinein (nicht nur mit Crossleys Füßen, sondern – metaphorisch – auch mit den Mädchen des Waldes) und schaffen einen Touchstone, der schräg, trocken, charmant und geistreich ist. Dieser Musical-Star gelingt, woran mancher „echte“ Schauspieler vor ihm gescheitert ist.

Rosalind ist eine Rolle, die tausend Karrieren gestartet hat – von Schauspielenden so unterschiedlich wie Vanessa Redgrave und Adrian Lester. Michelle Terry übernimmt sie hier und liefert eine souveräne, deutlich auf Lacher zielende Leistung, an der es viel zu bewundern gibt. Ihre Charakterzeichnung gründet auf ihrer Lust auf Orlando – sobald er sein Hemd auszieht und seinen fein gemeißelten Oberkörper zeigt, ist ihr hörbares „Phwoar!“ die Entscheidung. Von da an ist es nur noch eine Frage, wie sie die Dinge so dreht, dass sie Orlando bekommt.

Im Großen und Ganzen kann man Wie es euch gefällt auf zwei Arten angehen: Entweder geht es um Orlando und seine Wandlung, oder um Rosalind, die es einfädelt, dass Orlando sie liebt. Die geschicktesten Regisseurinnen und Regisseure verschmelzen beide Ansätze – dafür braucht es aber ein Ensemble mit durchgehend gleicher Klasse. McIntyre entscheidet sich klugerweise dafür, diese Wiederaufnahme zu Terry’s Rosalind und ihrer Jagd nach Simon Harrisons Sixpack zu machen … ich meine natürlich: Orlando. Und so hat Terry die Erlaubnis, völlig auszurasten – und das tut sie, mit vollem Einsatz. Sie ist eine sehr komische, sehr körperliche Rosalind. Und ihre Performance ist für die Groundlings wie Manna vom Himmel.

Doch Terry trägt eine viel bessere, subtilere, lyrischere Rosalind in sich – und es wäre großartig, diese Rosalind zu sehen. Dass sie Shakespeare herrlich und mit lyrischer Virtuosität sprechen kann, ist durch ihre Auftritte am National Theatre und bei der RSC klar; und tatsächlich blitzt hier im Epilog etwas von dem auf, wozu sie offensichtlich fähig ist. Wenn es doch nur mehr Lyrik und weniger Lust gegeben hätte.

Harrison wiederum gibt einen grimmig dreinblickenden Brocken als Orlando – eine Art Tarzan im Arden-Dschungel, der darauf wartet, gezähmt zu werden. Für diesen Orlando gibt es wenig Entwicklung, doch das ist nicht tödlich. Frustrierender ist, dass die Geschlechterverwirrung und die daraus folgende sexuelle Unschärfe weitgehend unerforscht bleiben. Klar: Es gibt einen verlockenden Moment, in dem Orlando den „Jungen“ Rosalind beinahe zu küssen scheint – aber er ist ebenso kurz wie gespannt. Terry bemüht sich nicht sonderlich, für ihre Cross-Dressing-Ausflüge „männliche“ Züge anzunehmen, doch im großen Ganzen dessen, wo diese Inszenierung gerade hinpulsiert, ist das kein allzu großes Thema.

Als zynischer (in einem zutiefst modernen Sinn) Jacques gestaltet James Garden eine Figur, der es an Melancholie mangelt, die aber in Sarkasmus badet. Das Ergebnis ist komisch – nur auf eine ganz andere Art als erwartet. Wieder leiden Poesie und Prosa, aber McIntyre setzt darauf ohnehin nicht den Schwerpunkt; also keine Überraschung.

Ellie Piercy (Celia), Sophia Nomvete (Audrey) und Gwyneth Keyworth (Phebe) sind alle laut, ausgelassen und amüsant – jedoch auf sehr unterschiedliche Weise. Bei den Männern leisten Perri Snowdon, Jack Monaghan und Phil Whitchurch die beste Arbeit. David Beames ist ehrlich gesagt als beide Herzöge (er spielt sowohl den Vertriebenen als auch den Vertreiber) wenig überzeugend und sehr schwer zu verstehen; William Mannering ist als Orlandos Bruder Oliver zu farblos, und es gab keinen wirklichen Moment des Staunens bei seinem ersten Anblick Celias.

Johnny Flynns Musik ist eigen, aber melodisch, und auch wenn sie kaum ein Gefühl von Wald oder Natur heraufbeschwört, sind die Beats klar und die Stimmung stimmt öfter als nicht. Andrew D Edwards ergänzt die Globe-Bühne um lange Rampen – mehr Spielflächen, mehr Möglichkeiten fürs Groundling-Mingling und mehr Gelegenheiten für fragwürdige Bühnenbilder. Doch seine Art, den Arden-Wald anzudeuten (wenig Grün, dafür Säulen mit eingerollten goldenen Blättern), ist ebenso glatt (und funktioniert) wie McIntyres Idee, die Unterschiede in Temperament, Möglichkeiten und Sinnlichkeit zwischen Hof und ländlichem Arden herauszustellen.

Das ist kein erlesenes oder besonders romantisch-beglü ckend-frohes Wie es euch gefällt. Aber es unterhält leicht genug, und an Klarheit in der Erzählung dieser lüsternen Geschichte mangelt es nicht. Der rohe, derbe Schwung ist so allgegenwärtig, dass man es mit „Carry On Up The Arden Jungle“ untertiteln könnte.

Und schon gut. Das ist das Globe, wo publikumsnaher Groundling-Charme die Tagesordnung ist. Die Groundlings werden von McIntyre und ihrem Ensemble bestens bedient – angeführt von der energiegeladenen Terry.

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